Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1889)
- Date
- 1889-12-01
- Page
- Seite 268 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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268 „Leuchte Israels, feste Säule des Fortschritts, Funken schlagender Gotteshammer!" Er hat ein schönes Blatt in der Geschichte des modernen Judentums ausgefüllt und wo die Ersten und Besten Israels genannt werden, da darf auch der Name Samuel Hirsch's nicht fehlen. Es war ihm zum Abend seines Lebens vergönnt, in hiesiger Stadt Zeuge zu sein des erfolggekrönten Wirkens seines geliebten Sohnes und im Hinblick auf die so segensreich ausgehende Saat konnte er hoffnungsvoll das Auge schließen und sich sagen: Wie es vom Erzvater Jakob heißt, daß er nicht sterben konnte, weil er in seinen Kindern fortlebt, so geht auch die von niir hinterlassene Geistessaat in reichlicher Blüte und Frucht zu immer größerem Segen auf. Und in selbem Mayße, als das Judentum an Breite und Tiefe der Erkenntnis und der Menschenliebe fortschreitet, und die Menschheit zur echten Religiosität sich erhebt, die Entfaltung und Harmonie aller geistigen und sittlichen Kräfte bedeutet, im selben Maaße wird der Geist fortleben und fortwirken, der von solchem Ideal getragen und erfüllt, gesinnungstüchtig auf dem Gefilde der Wahrheit gearbeitet hat. Bedarf es da noch des besonderen Trostes für Ench? für Dich, die schwergeprüfte, doch Willensstärke und gemüthsfrische, wackere Wittwe, die einen so seltenen Gatten; und Euch, die schwergeprüften Kinder, die einen so hingebenden Vater und Freund voll Treue und Liebe betrauern? Wie die untergehende Sonne die Sterne am Himmel an's Licht bringt, so hebt der Tod den Scheidenden aus dem Reiche der Vergänglichkeit empor und zeigt uns einen unverlierbaren Schatz im Reiche der Geister. So lebt Euch, so lebt uns Allen der Verblichene fort, ein segnender Gottesbote, ein Quell der Erhebung, der Lebensweihe. Friede, Segen seinem Andenken für alle Zeiten. Ksterka von Leopold von Sacher Masoch Unfern der uralten Königsstadt Krakau an der Weichsel liegen die Trümmer des Schlosses Lobzow. Epheu und Immergrün umranken die gebrochenen Mauern, die eingestürzten Säulen des einst so prächtigen Palastes, Himbeerbüsche wachsen auf dem Gerölle und erfüllen im Sommer die Luft mit dem süßen schweren Duft ihrer Früchte. Unweit rieselt eine Quelle, und aus der Ferne tönt das schwermütige Lied eines Hirten herüber, der seine Schafe auf der grünen, endlosen Weide grase» läßt. Das abergläubische Volk erzählt, daß hier bei Tage giftige Schlangen und nachts böse Geister ihr Unwesen treiben. Sobald die Sonne untergegangen ist, geht niemand gern an dem einsamen, traurigen Ort vorüber, und muß ja ein Landman mit seinem Pflug oder seinem Vieh vorbei, so versäumt er es gewiß nicht sich zu bekreuzen. Keiner würde es jedoch wagen, zur Geisterstunde der unheimlichen Stätte zu nahen, denn um Mitternacht wird der Bann, der über diesen von der Zeit geschwärzten Trümmern ruht, gehoben, und durch Zauberinacht erstehen dann die Mauern des Palastes von neuem. Wachen stehen auf dem Wall mit blinkenden Krummsäbeln, die Zugbrücke ist aufgezogen, die Fenster des Schlosses glänzen