Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1889)
- Date
- 1889-11-01
- Page
- Seite 259 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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259 Haus eine große Orgel gespendet. — Am 15. September wurde in Währing die neuerbaute Synagoge durch Herrn Prediger Dr. Jellinek eingeweiht. — Am 19. September wurde in Gurnopol ein neues Bet- und Schulhaus eingeweiht. — Am 23. September wurde in Gänserndorf das neuerbaute israelitische Bethaus seiner Bestimmung in feierlicher Weise übergeben. — In Kolomea wurde ein Wohlthätigkeits-Verein „Kinderfreund" gegründet mit dem Zwecke, arme Kinder welche die von der Wiener isr. Allianz gegründete Schule besuchen, mit Kleidern zn versehen. — Man schreibt uns: In Weserih, einer vier hundert Jahre alten Gemeinde, wurde die neuumbaute Synagoge unter Teilnahme der Staatsbehörde und der Geistlichkeit durch Herrn Rabbiner I. H. Koerper eingeweiht. Die Worte des Redners machten auf die anwesende Versanunlung einen tiefen Eindruck. — In Budapest fand am 20. August die Generalversammlung des „Ungarisch-isr. Cultusbeamten-Vereins" unter Vorsitz des Herrn Professor Friedmann statt. — Dem sieben Jahre alten Pianisten Poldi Spielmann wurde jüngst die Auszeichnung zu Teil, in Ischl vor dem Kaiser und dessen beiden Töchtern Prinzessin Gisela und Erzherzogin Marie zn spielen. — Am 29. August starb in Dorderbrühl die Mutter des Berliner Rabbiners Herrn Dr. Ungcrleider, Frau Ungerleider geb. Sommer. Der Sohn widmete der seit 20 Jahren erblindet gewesenen Mutter einen ergreifenden Nachruf. — In Budapest verstarb jüngst die Wittwe Frau Sarah Lustig im Alter von 115 Jahren. — Die spanische Gemeinde in Serajewo hat Herrn Abraham Abnun zum Chacham Baschi erwählt. — Bei der Einweihung der Synagoge in Serajewo war auch Bischof Stroßmayer anwesend. Er schloß eine Rede beim Festmahle mit den Worten: „Hier gibt es keine Serben, Juden oder Christen, hier gibt es nur Brüder." — In Gesterreich-Ungarn sollen im Jahre 1888, 922 Juden das Christentum angenommen haben, davon in Wien 781. — In der orthodoxen Gemeinde in Budapest wurde dem Cantor verboten, sich der Stimmgabel zu bedienen. Dieses Verbot hatte zur Folge, daß derselbe schmollte und nicht vorbeten wollte. So ist die arme Stimmgabel ein neues Object des Streites geworden. — In Kaden bei Wien hat sich ein aus den angesehensten christlichen Bürgern bestehender Verein zur energischen Bekämpfung des Antisemitismus gebildet. — Herr I)i'. Georg Jellinek, der als außerordentlicher Professor an der Wiener Universität die Lehrkanzel für Staatsrecht inne hatte, hat bei dem Unterrichtsminister um Entlassung nachgesucht und dieselbe erhalten. Grund hiezu war, daß nicht nur die vom Professoren-Collegium vorgeschlagene Ernennung des Herrn Professor Jellinek zum Ordinarius unterblieb, sondern daß derselbe noch dazu durch die Berufung des Herrn Professor Lammasch als Ordinarius für Volks- und Staatsrecht aus seiner bisherigen Stellung verdrängt wurde. — Herr Abgeordneter Dr. Zucker erschien am 7. September vor seinen Wählern in Ehotiebor; und besprach die politische Situation. Auch Herr Dr. Kieger war anwesend und schloß seine Rede mit folgenden Worten: „Ich muß noch ein Moment berühren, das seine werthe Person betrifft. Abgeordneter Zucker ist nämlich Jude. Ich, »reine Herren, sehe in diesem Umstand kein Hindernis, warum Sie ihm nicht mit dem gleichen Vertrauen eutgegeukommen sollten, sowie darin ein Hindernis kein wahrhaft erleuchteter Mensch sehen wird. Ich — und darin werden Sie wohl mit mir eines Sinnes sein — benrtheile den Menschen nach seinem aufrichtigen Willen, nach seinen Thaten und feinem Verdienste. Und vor diesem meinem Urtheil steht Ihr Abgeordneter als ein ganzer Mann da, und gebe Gott, daß wir noch mehr solche Vertreter jüdischer Abstammung unser 22*