Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1889)
- Date
- 1889-11-01
- Page
- Seite 256 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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256 Sagt der jedoch: „Gib was verdient ich habe," Erwidert jener sprechend Hohn dem Recht: „Entflieh', eh' ich dich zttcht'ge frecher Knabe! Doch kommt ein Tag, der solche Bosheit rächt, An welchem seine Hoffnung trägt zu Grabe, Des Glückes Strahl nicht schauet, wer so schlecht. — Der Fuchs und der Storch. Wer seines Wirkens Pfad will eben finden, Mus; nur mit seines Gleichen sich verbinden. — Zum Storch sprach der Fuchs zu einer Zeit: — Warum lebst bit stets in Einsamkeit? — Komm erquick dein Herz bei mir, — sieh' an mein Haus und meine Leute dir. — Und er beredet ihn auf solche Weise — zu kommen in seine Kreise — und sich zu laben an seiner Speise. — Nun lief der Fuchs, um Fleisch zu bringen, — in ein Volk von Hühnern einzudringen — griff eine Henne ans dem Haufen dicht; — diese schloß ihr Aug' dem Sonnenlicht — schrie in ihrer Not — breitete aus die Flügel und war todt. — Die Speise hat er dann zurecht gemacht — und „durch meine Schlauheit kam sie" sich gedacht, — doch plötzlich sprach in seinem Herzen er: — thöricht wär ich doch gar sehr, — wollt' ich die Mittel zu meinem Leben — ihm als Nahrung geben. — Der Storch wird auf einmal verschlingen — Alles, was ich werde bringen, — und die Speise, die so süß dem Gaumen schmeckt, — hätt' ich dann nur angeleckt. — Nun riet ihm die bekannte List, — die ja seine Verwandte ist, — die Speise zu zerreiben dünn und fein, — und sie auszubreiten schlau — auf dem Tisch in seinem Bau. — Nachdem er dies gethan,— rief er zum Essen den Storch heran, — deß' Schnabel aber nicht zu greifen vermag — die Speise, die so fein und zerstreut da lag, — weil der Storch so zu essen nicht gewohnt. — Des Fuchses Auge aber sein nicht schont — und gar bald hat er leer den Tisch gegessen — wie die Ochsen das Feld abfressen — Müde, matt, grimmig und den Magen leer, — ging der Storch nach Haus . nunmehr, — ohne dem Fuchs ein freundlich Wort zu sagen, — oder auch ihn auzuklagen — doch in seinem Innern war er wütend — und über Rache brütend. — Und als er sich zu Haus befand, — beriet er sich mit seinem Verstand — und dieser lenkt ihm schlau den Sinn, — auf einen Baum voll Löcher hin. — Diese füllt er aus — mit Nahrung zum Schmanß;— die bereitete Speise steckt er jedoch — so tief in jedes Loch, — daß es Niemand konnte gelingen, — sie herauszubringen; — seinem Schnabel allein — sollte dies Vorbehalten sein. — Er macht ein Loch auch in die Thür hinein, — die in seine Wohnung führte ein. — Dorthin legt' er seine andere Nahrung — zur Aufbewahrung. — Dann rief er den Fuchs herbei, — bat ihn schelmisch, daß sein Gast er sei, — sprach: „Iß, was dir gefällt, — das Dein'ge ist vor dich gestellt. — Doch vergebens war des Fuchses Bemühen — die Speise mit der Zunge herauszuziehen, — umsonst streckt er sie hervor durch der Zähne Thor; — nichts erreicht er durch seiner Zunge Regung, — nichts durch seiner Füße Bewegung. — Der Storch, der sich freuet dessen, — verschlingt nun gierig vor dem Fuchs