Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1889)
- Date
- 1889-11-01
- Page
- Seite 254 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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254 ihren Dank aussprachen mit den Worten: Möge Gott deinen Verlust dir ersetzen, sprach der Mann: Hat die Frau ein gehäuftes oder gestrichenes Maß euch gegeben? Wir, sprachen sie, verlangten nur ein Maß ohne weitere Angabe, die Frau gab aber ein gehäuftes mit dem Bemerken, die etwaige Mehrauslage aus Eigenem decken zu wollen. So war's meine Absicht, euch zu geben, erwiderte er. doch saget mir nun, warum seid ihr nicht zuerst zu mir gekommen? Wir hörten, versetzten sie, dein Gespräch mit deinem Sohn über das Kraut, und dachten, daß wir wohl von einem solch sparsamen Menschen nicht viel zu erwarten haben. Für mich, sagte der Mann, bin ich genau und sparsam, doch für die Erfüllung der Gebote und Satzungen meines Gottes bin ich reich und nicht berechnend.1) Die Auchsfavetn des Werachja Kannakdan. Übersetzt von vr. Julius Landsberger, Landrabbiner in Darmstadt. Der Hund, der Käse und das Wasser. Ungenügsame stellt nichts zufrieden; Unersättlich bleibt ihr Aug' hienieden. In einem Hause hatte einst ein Huild — einen Käs entwandt und mit seinem Mund — ihn fortgetragen, — dabei den Weg eiugeschlagen, — der ihn führte über eine Brücke. — Als hier in's Wasser fielen seine Blicke, — sah erbarm des Käses Widerschein — da dachte er: Ach wär' doch mein, — als meiner Mühe Lohn, — außer dem Käse, den ich habe schon — auch der im Wasser; für den Esser — sind ja zwei, als einer besser/ Nun ließ er sich von Gier berücken — sich nach des Käses Schatten zu bücken; — als er jedoch hierauf — Mund und Zähne sperrte auf, — uin nach dem zu schnappen, — was nicht war zu ertappen — entfiel ihm rasch der Käse gar, — der schon in seinen: Besitze war. — Jetzt hatte er der Käse keinen — nicht den des Wassers, noch den seinen, — stand da mit leerem Mund; — für seine Mühe blieb Nichts dem Hund. — Wenil Salomo mit Recht den Ausspruch thut: — Mancher stellt sich arm bei großem Gut/) — so hat Erfahrung niich gelehrt — durch Menschen, die Alles'begehrt, — die sich mit Reichtum konnten brüsten — und doch nach Allem trugen Gelüsten; — „Alles verliert, — wer nach Allem giert;" — drum sprech ich nach — was der Weise sprach: — Sters sei mit dem Deinen zufrieden, — neide nicht was Andren beschicken/ Mein Gedicht, — das spricht: Gott schuf Nahrung Allem, was da lebt, Die sehr Viele doppelt wohl begehren; Wer jedoch nach mehr gewaltsam strebt, _ Als ihm festgesetzt ist, zu verzehren: >) Megill. Est. zu c. I, 4. *) Kohel 4, 9. a) Spr. Sal. 13, 7. 4) Mibchar hapeninim 10, 5.