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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-11-01 · Heft 11 (1.11.1889) · p. Seite 251

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 11 (1.11.1889)
Date
1889-11-01
Page
Seite 251 (sequence 11)
Language
German
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251 Voraussetzung, die in der Agada vorkommende Verserklärung sei ernst gemeint, was aber nicht innner der Fall ist. Doch soll er in seinem hohen Alter gegen seinen gelehrten Enkel und Jünger (Raschbam Gen. 37) geäußert haben, daß er seine Bibelkommentarieu im Sinne einer nüchtern wortgetreuen Schrifterklärung umändern würde. In welcher Beziehung stand aber Luther zu dem über fünf Jahrhunderte früher lebenden Raschi? Zur Beantwortung dieser Frage will ich eine Stelle aus „Grätz, Geschichte der Juden", der ich in meiner bisherigen Schilderung Raschi's meistens gefolgt bin, wörtlich anführen; (8. VII. S. 329) „Während jüdische Schriftsteller, Kabbalisten, wie Nicht-Kabbalisten» den bereits geebneten Weg lichtvoller Exegese verließen und einen verkehrten Weg einschlugen, bahnte ein Mönch in dem unwegsamen Urwald krauser Schriftauslegung, wie sie seit den Kirchenvätern üblich war, zum erstenmale in dieser Zeit einen schmalen Weg einfacher Schrifterklärungen. Der Franziskaner Nikolaus de Lyra (blühte 1300—1340), Professor der Theologie in Paris und später Ordensprovinzial, der wahrscheinlich von Juden im Hebräischen unterrichtet wurde, nahm sich Raschi's einfache sinngemäße Schrifterklärung zum Muster und führte sie zuerst in die christliche Theologie, allerdings mit Klauseln ein. Durch die Verbreitung der lyrauischen Kommentarien (postillae) zum alten Testament hat Raschi's Exegese in christlichen Kreisen den Sinn für das Einfache erweckt und bis auf beit Begründer der Reformation (Luther) gewirkt. De Lyra's Verdienst besteht besonders darin, daß er die christliche Welt mit der Auslegungsart des jüdischen Exegesen von Trotzes (Raschi) bekannt gemacht hat. Daselbst (S. 490) wird weiter ausgeführt, welchen mächtigen Einfluß die Postillen N. de Lyra's auf Luther ausgeübt und wie hoch der berühmte Poftillator Raschi schätzte. Wir sehen demnach, daß die Quelle, woraus Luther seine Erklärungen zum alten Testament schöpfte, größtentheils in Raschi ihren Ursprung hatte. Und war Raschi als Commentator ein Künstler zu nennen, so war es Luther als Uebersetzer. Luther besaß ein feines musikalisches Ohr, daher ist seine Uebersetzung so voll des Wohlklanges, wie wir es selten bei einem anderen Uebersetzer zu finden vermögen. Man bemerke nur z. B. in den von ihm übersetzten Psalmen die wohllautende Aufeinanderfolge der Wörter und Silben. Der Stuhl, worauf Raschi saß, wenn er seinen Jüngern seine lichtvollen Vorträge hielt, befindet sich in der sogenannten Raschikapelle neben der Synagoge. Wer also nach Worms reist, um das eine Denkmal dieser zwei großen Geistesheroen zu besichtigen, versäume nicht, auch das andere in Augenschein zu nehmen. Die sociake Irage im Judentum. Von Di-. Adolf Kurrein, Rabbiner und Prediger in Teplitz. Mar Ukba, der berühmte Wohlthäter verteilte regelmäßig am Vortage des Bersöhnungstages 4M Sus. Eines Tages schickte er das Geld durch seinen Sohn. Dieser kam ganz erstaunt zurück, wie ein solcher Mann Wohlthaten annehmen könne, der auf seiner Tafel köstlichen alten Wein einscheuke. Ist dieser Mann, versetzte M. Ukba, so gewöhnt, daun muß ich ihm wohl eine größere Summe nächstens schickend) ') Kethub. 67;

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