Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1889)
- Date
- 1889-11-01
- Page
- Seite 248 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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248 Den 26. April 1847 heiratete er die ebenso schöne wie gebildete Jda Friedländer, verwittwete I>r. Koner, mit der er heute noch in glücklicher Ehe lebt. Doch sollte es mit ihm noch ganz anders und viel besser werden; die Vorsehung hatte ihn zum Lehrer des Deutschen für Altdeutschland und darüber hinaus bestimmt. Das Jahr 1848 mit seiner unklaren, verwirrenden Gährung brach ein und riß unfern Daniel Sanders mit. Er wurde Publizist und gai) die „Blätter für freies Volkstum", sowie später mit Adolf Glasbrenner, damals in Neu-Strelitz, die „Xenien der Gegenwart" heraus. Die Schule, der er fast zehn Jahre thatkräftig und väterlich zur vollen Zufriedenheit der Beteiligten Vorstand, ging darauf Ostern 1852 ein. Eine von ihm verfaßte und gedruckte Abschiedsrede (Neubraudenburg 1852) schilderte uns klar und beredt die Geschicke und Geschichte dieser Schule; sie bildet ein bleibendes, geschichtliches Denkmal derselben, die uns heute noch des Interessanten genug bietet. Seine segensreiche Wirksamkeit als Schulmann war zu Ende. Reifere Schüler sprechen heute noch mit Liebe und Verehrung von ihm, seiner geschickten Lehrweise und seinem freundlichen Entgegenkommen. Daniel Sanders war nun von seiner amtlichen Stellung entbunden, er hörte auf Schulmann zu sein und war ganz fiir sich und auf sich angewiesen. Aber nicht lange währte diese thatenlose Zwischenzeit. Eine andere Thätigkeit wartete seiner: es war die schriftstellerische, die ihn in den weitesten Kreisen bald ruhmvoll bekannt machte. Wir nannten bereits seine iin Jahre 1844 veröffentlichte Schrift: „Volksleben der Neugriechen", ein treffliches Zeugnis seiner geschickten, genialen Darstellungsgabe. 1845 gab er seine „Gespräche" heraus, eine Schrift, die die gewöhnlichen Lehrbücher ergänzen sollte. Es folgten darauf mehrere Arbeiten in verschiedenen litterarischen Zeitschriften und Lehrbüchern, von denen uns besonders seine poetische Uebersetzung und Bearbeitung des „Hohenliedes" interessirt, die 1866 als besondere Schrift erschien und in diesem Jahre eine zweite Auflage erlebte. Mit großer Vorliebe beschäftigte er sich mit germanistischen Studien, von denen er damals nicht ahnte, daß sie später den Mittelpunkt seines Lebens und Schaffens bilden werden. Aber es wurde so, und wir haben Grund, damit recht zufrieden zu sein. Im Jahre 1852 veröffentlichte die Buchhandlung Hoffmann & Campe in Hamburg in zwei Heften seine Kritik des erschienenen „Grimmschen deutschen Wörterbuches" betitelt: „Das deutsche Wörterbuch von Jakob Grimm und Wilhelm Grimm kritisch beleuchtet", die viel Aufsehen erregte, Lob und Tadel erfuhr, aber zugleich die Aufmerksamkeit der „Weber'schen Verlags-Buchhandlung" in Leipzig auf sich lenkte, die seit Jahren die Herausgabe eines deutschen Wörterbuches für alle gebildeten und bildungsbeflissenen Deutschen beabsichtigte. So ging unserm Sanders durch Vermittlung von Otto Wigand in Leipzig die Anfrage zu, ob er geneigt wäre, die Ausarbeitung eines derartigen deutschen Wörterbuches zu übernehmen. Zu gleicher Zeit erhielt er aus Frankfurt a. M. den ehrenvollen Ruf zur Uebernahme des Schuldirektorats am Philantropin. Er schwankte lange. „Beide sich mir so eröffnenden Aussichten", erzählt er, „hatten für mich ihr sehr An- und Verlockendes." Er entschied sich für Elfteres und übernahm die Ausarbeitung des von der Weberschen Buchhandlung gewünschten Wörterbuches der deutschen Sprache. Wir lesen von ihm darüber: „Der Gedanke, ein für das deutsche Volk nützliches Werk schaffen zu können, hatte es mir angethan und fiel bei meinem viel Hin- und Herwägen schwer in die Wagschale zu Gunsten des Wörterbuches." So ging er rüstig und mutig an seine große Aufgabe; vom frühen Morgen bis tief in die Nacht war er an seiner Riesenarbeit, unermüdlich im Forschen, Sam-