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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-11-01 · Heft 11 (1.11.1889) · p. Seite 247

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 11 (1.11.1889)
Date
1889-11-01
Page
Seite 247 (sequence 7)
Language
German
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247 zum Studium, aber er hatte den Wunsch, Kaufmann zu werden. Doch fügte er sich dem Willen seines Vaters, er ließ sich prüfen und wurde in Tertia des genannten Gymnasiunis ausgenommen. Zu Ostern 1839 war seine Gymnasialzeit beendet, er erhielt ein gutes „Zeugnis der Reife" und bezog damit die Universität zu Berlin. Ueber diese von ihm so glücklich und schnell beendeten Gymnasialstudien hören wir von ihm: „Ich hatte zum ersten mal nicht blos begriffen, sondern auch an mir selbst erprobt, daß der Mensch, was er seinen Fähigkeiten gemäß ernstlich will, auch wirklich kann, uud wie viel ein solcher ernstlicher Wille und die ihm entsprechend unverrückt aufs Ziel blickende, stetig und unverdrossen schrittweise vorrückende Arbeit vermag." Er sollte sich für seinen künftigen Beruf entscheiden. Wieder war es sein Vater, der ihn zum Mediziner bestimmte, aber bald davon auf die Erklärung seines Sohnes, er habe nur für das Philologische bestimmte Neigung, abstand. So besuchte er auf der Berliner Universität die Kollegien von Boeckh, Droysen, Dirichlet und Andereil und verkehrte mit seinen Studiengenossen: W. Koner, H. B. Oppenheim, M. Carriere und Steinschneider. Auch zwei junge Griechen: Kanpelarios und Jraklis Mitropulos gesellten sich zu ihm. Aus dem vereinten Streben dieser Studienfreunde gingen seine ersten litterarischen Leistungen hervor. Im Jahre 1842 veröffentlichte er mit seinen Freunden Carriöre und Oppenheim eine Sammlung neugriechischer Volks- und Freiheitslieder, und 1844 folgte die großes Aufsehen erregende Schrift: „Volksleben der Neugriechen, dargestellt und erklärt aus Liedern, Sprichwörtern und Kunstgedichten." Andere Arbeiten von ihm waren die Beiträge in dem „Archiv für das Studium der neuere» Sprachen", in den „Jahrbüchern für Philologie und Pädagogik" und andere mehr. So ausgerüstet mit gründlichen Kenntnissen der alten und neuen Sprachforschung kehrte er nach Erlangung der Doktorwürde und bestandener Prüfung eines Oberlehrers in seine Vaterstadt Strelitz zurück. Hier eröffnete sich ihm bald ein Feld für seine Thätigkeit. An der Lehranstalt, wo er seine erste Ausbildung genossen, war im Jahre 1842 nach Abgang des Schuldirektors Dr. Ginsberg die Stelle eines Dirigenten erledigt. Dr. Daniel Sanders wurde einstimmig für dieselbe gewählt. Michaeli 1842 übernahni er dieses für ihn höchst wichtige Amt, das von ihm bis Ostern 1852, 91/* Jahre mit voller Hingebung treulich verwaltet wurde. Seine eigenen Worte darüber sind: „In diesem Amte, dem ich mich mit Lust und Liebe, mit dem größten Eifer und mit der vollen Hingebung widmete, habe ich nahe zehn der schönsten Jahre meines Lebens zugebracht. In dieser ganzen Zeit bildete meine Schule und die Sorge für die mir anvertraute Jugend den Mittelpunkt meines Denkens, Lebens, Webens, Wirkens und Schaffens." Wir sehen darin, und das bezeugen heute noch gern seine Schüler, die in Verehrung uud Liebe zu ihm emporschauen, eine Erfüllung seiner Worte, die er bei seinem Amtsantritte ausgesprochen: „Mit Liebe und Lust, mit Eifer und Ausdauer, rüstig und unermüdet werde ich hier zum Wohl und zum Heil zu wirken und zu schaffen streben." Diese fachmännische, sich hingebende Thätigkeit erfreute sich bald des schönsten Segens. Die Schule hob sich unter ihm und genoß eines großen Vertrauens auch von Seiten der christlichen Bevölkerung, die ihre Kinder diese Anstalt besuchen ließen; ebenso sah man unter den Schülern Kinder aus anderen Städten Mecklenburgs. Dr. Kaempf, jetzt Professor und Prediger in Prag, wirkte zu gleicher Zeit an dieser Schule als Religionslehrer. Es waren freudige und glückliche Jahre, die er nun hatte.

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