Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1889)
- Date
- 1889-10-01
- Page
- Seite 239 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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259 welche für ihre eigenen Armen sorgen muß und dieselben reichlich unterstützt, außerdem noch sämtliche jüdische Soldaten während des Osterfestes verpflegt. Das hat mir Wertschätzung für die Gemeinde eingeflößt, und ich bitte, Ew. Ehrwürden mögen die Freundlichkeit haben, diese meine Gesinnung Ihrer geehrten Gemeinde zu verdolmetschen." Der Rabbiner übernahm dankend diese Aufgabe, deren er sich auch in einer an den Gemeindevorstand gerichteten Zuschrift entledigt hat. — In einer Gerichtsverhandlung in Wien sagte jüngst ein Richter: Es ist bereits widerlich, daß alle Vorgänge im öffentlichen Leben mit dem Antisemitismus zusammengeflochten erscheinen. Das mag man draußen versuchen aber der Gerichtssal ist zu heilig, als daß ich derartiges hier hereinzerren ließe. Vor jedem österreichischen Gerichte ist alles ob Christ, Jude oder Muselmann gleich und, so lange Gott sei Dank noch die gegenwärtige Generation österreichischer Richter existiert, wird dies auch so bleiben. — Der internationale geographische Kongreß, der in Paris Zusammentritt hat die Absicht, Jerusalem, welches bei den mittelalterlichen Geographen als der Mittelpunkt der Erde galt, als Anfangsmeridian zu bestimmen. In einer hierüber veröffentlichten Studie heißt es: „Kein Zweifel, daß die Wahl von Jerusalem viel für sich hat. Kein Volk, nicht einmal die Engländer, dürften gegen diesen, allen Monotheisten heiligen Ort etwas einzuwenden haben. Die Türkei fühlt sich durch diese Wahl sogar geschmeichelt. Sollte die Frage in Paris zum Abschlüsse kommen, so könnte am 1. Januar 1890 die neue Weltzeit eingeführt werden. — Herr Alexander Weil in Daris gibt an ihn gerichtete Briefe heraus, darunter solche von Meyerbeer, Heine, Auerbach, Kuranda und Andern. — Herr Rabbiner Waffe in Avignon wird demnächst ein größeres Werk, eine Biographie Don Dedros, des Kaisers von Brasilien, in französischer Sprache veröffentlichen. — Die Jury der Pariser Weltausstellung hat dem berühmten holländischen Maler Joses Israel eine Ehrenmedaille zuerkannt. — Ein Abb6 Fonrivre von Amiens hat ein dickes Buch geschrieben, in welchem er Nachweisen will, daß Hoiner, der Dichter der Ilias und Odyssee, ein Jude gewesen. — Zur Erinnerung an den verstorbenen Gelehrten Arssne Darmeffeter soll dessen wissenschaftlicher Nachlaß nebst zerstreut erschienenen Publikationen in zwei Bänden erscheinen. Darunter soll auch ein noch nicht veröffentlichter Aufsatz, ein vollständiger Abriß der ganzen talmudischen Litteratur, erscheinen. — Fräulein Kosa Margoliew aus Gdeffä, Tochter einer armen Witwe, hat in Paris nach vollendetem Studium ihr Examen als Doktor der Medizin mit besonderer Auszeichnung bestanden. Das ist schon das zweite jüdische Mädchen aus Rußland, welches in Paris promovirt; die erste war Karoline Schul; aus Warschau- — Herr Koger Warr in Paris wurde zum Oberinspektor der Museen der Provinz an Stelle des verstorbenen Herrn Eugen Beron ernannt. — Man schreibt uns: Der Königlich Bayerische General-Musikdirektor, Herr Hermann Levi, erhielt nach Beendigung der von ihm dirigirten Parsifal-Aufführungen in Kayreuth voll Sr. Majestät dem Kaiser Wilhelm, der ihn zur Audienz befohlen hatte, den Kronenorden 3ter Klasse und von Sr. König!. Hoheit dem Prinzregenten einen kostbaren aus Elfenbein geschnitzten mit lapis lazuli, Gold und Edelsteinen belegten Taktstock. ' _________ Weftmte und Mitteilungen. Der Hamburger Tempel;nm 70 jährigen Denktage seiner Kegründung (18. Oktober 1818), zwei Kanzrlreden, gehalten im israelitischen Tempel;u Ham-