Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1889)
- Date
- 1889-10-01
- Page
- Seite 240 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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240 bürg, am 20. Gktober und 3. November 1888 nebst Seigabe der früher erschienenen Kede über Dr. Gotthold Salomon von Prediger Dr. David Leimdörfcr (Hamburg 1889, Boysen). Reden, die an so bedeutsainen Gedenktagen gehalten werden, haben stets auch für weitere Kreise ein gewisses Interesse und zwar zunächst durch ihren Inhalt, zumal Sprache und Form überhaupt nur durch den Geschmack des Redners bestiinmt werden, der als dessen allgemeine Eigenschaft hierbei nicht zu beurteilen ist. Gerade der Inhalt der vorliegenden Reden ist es aber, in welchem wir stellenweise eine gänzliche Verkennung des Anlaßes, bei dem sie gehalten wurden, bemerken. Woher weiß der Verfasser z. B-, daß Gott die Thora niemals ändern werde (S. 6)? Wir glauben kaum, daß, wie S. 7 behauptet wird, bei der Begründung des Hamburger Tempels ein derartiger Grundsatz maßgebend war. Die alten Weisen des Midrasch, die es ja wissen mußten, haben die unzweideutige Ueberlieferung, daß die biblischen Satzungen einst aufhören, d. h. eine Zeit, in der ihr Zweck erfüllt ist, kommen und ihr geistiger Gehalt auch ohne ihre äußerliche Uebung fortbestehen wird. Nur in diesem Sinne kann die von Maimonides gelehrte Unveränderlichkeit der Thora uns als Glaubensgrundsatz gelten. S. 17, 18 giebt sich der Verfasser alle Mühe nachzuweisen, daß im Hamburger Tempel eigentlich nicht anderes als die Aufrechterhaltung der Orthodoxie angestrebt wurde. Das heißt denn doch die Thatsachen auf den Kopf stellen! Offenbar war nicht die „Verkörperung der religiösen Ideen", sondern die Vergeistigung der religiösen Zeremonien die Bahn, auf der die Hamburger Tempelreform sich bewegte. Das ist eine geschichtlich feststehende Thatsache, die mit allen dialektischen Künsteleien nicht aus der Welt zu schaffen ist. Die in dem Hamburger Tempel zur Zeit seiner Gründung eingeführten Neuerungen, über die die alt- , rabbinischen Koryphäen ihr Verdainmungsurteil gesprochen, sind übrigens zum großen Teile auch schon in die Synagogen der deutschen Neuorthodoxie so weit eingedrungen, daß der vom Verfasser so sehnlich angestrebte Friede mit derselben nur als eine Frage der Zeit anzusehen sein dürfte. — Es ist uns zugegangen: „Jüdischer Volks- und Haus-Kalender (früher Liebermann) für das Jahr 1890. Mit einem Jahrbuch zur Belehrung und Unterhaltung. Herausgegeben von Dr. M. Drann, Rabbiner. Siebenunddreißigster Jahrgang." Preis Mk. 1.25. Derselbe enthält nebst deni üblichen Inhalt einen Nachruf, gewidmet dem früheren Herausgeber Heimann Lieb er mann, geboren 1810 zu Militsch, gestorben 1888 in Brieg, einen Aufsatz vom jetzigen Herausgeber „Alte jüdische Grabsteine in Schlesien". Herr Cohen giebt einen wertvollen Aufsatz, in welchem irrtümliche Daten in Büchern und Zeitschriften nachgewiesen werden. Nebstdem enthält der empfehlenswerte Kalender noch viele wertvolle Beiträge. — Im Verlage bei Epstein & f o. in Brünn ist in zweiter unveränderter Auflage die gediegene Arbeit des Herrn Dr. Adolf Kurrein Rabbiner in Peplitz „Traum und Wahrheit, Lebensbild Josefs in der Hagada" erschienen. _*_ Inh alt: Das gute Herz. 08eträcljFmtg_fütT Öen Vorabend des Verjöhnuugstageo). — Zum Jahres Anbeginne. Von Dr. 'I. H. Schwarz, Rabbiner in Gablonz a. N. — Die Fuchsfabeln des Berachja Hannakdan. Uebersetzt von De. Julius Landsberger, Laud- M rabbiuer in Darmstadt. — Uns dem Schriftschatz der Juden. Von Rechtsanwalt Emil '*■ Lehmann in Dresden. (Schluß.) — Die sociale Frage im Judentum. Bon Dr. Adolf Kurrein, Rabbiuer u. Prediger in Teplitz. — Monatsschau. — Referate und Mit- _teiluugen. — Beilage.____ Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber Dr. Adolf Brüll; in Kommission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Aussarth; Druck von H. L. Bromier's Druckerei (F. W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.