Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1889)
- Date
- 1889-10-01
- Page
- Seite 238 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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letzten statistischen Aufnahmen 686 596 jüdische Seelen. — In Sborow predigte jüngst in der Synagoge ein Wanderprediger. Erst nach gehaltener Rede erfuhr man, daß es ein Prediger der „Londoner Missiousgesellschaft" gewesen." — Ein christlicher Schriftsteller, der Advokat Dr. Karl von Kißling in Lin; a. d. Donau, hat eine Zeitschrift zur Bekämpfung des Antisemitismus ins Leben gerufen. — Die „Chewrah Kadischah" in Dudapest hat im abgelaufenen Jahre 1888/89 140526 fl. 15 kr. eingenommen und 130135 fl. verausgabt. — Der „Schulderem für Deutsche" in Wien, der lediglich die antisemitische Hetze zum Ziele hatte, wurde behördlich aufgelöst. — In Gra; wurde die antisemitische Burschenschaft „Styria" behördlich aufgelöst. — Zwischen dem Oberlieuteuant Herrn Kornhaber, einem Juden, und dem Karon Gottesheim feint) in Gran ein Zweikampf auf Säbel unter sehr schweren Bedingungen statt. Schwer verwundet wurde der Baron Gottesheim. — Nachdem der kürzlich verstorbene österreichische Feldzeugmeister Freiherr von Wlippovich die Okkupation Kosniens vollendet hatte, erschien er vor dem Kaiser, um über diesen siegreichen, aber sehr schwierigen Feldzug mündlichen Bericht zu erstatten. In demselben gedachte er der jüdischen Soldaten aus Galizien, welche im Okkupationsheere dienten, in sehr anerkennender Weise, rühmte ihren Mut, ihre Tapferkeit,- ihre Todesverachtung, ihre Anstelligkeit und Findigkeit und hob mit besonderem Nachdruck hervor, daß aus ihren Reihen die meisten Unteroffiziere genommen wurden, da sie ihre Intelligenz besonders dazu befähigte. Seine Schilderung verfehlte nicht, einen tiefen und freudigen Eindruck auf den obersten Kriegsherrn zu machen, der dem ganzen Herre mit erhabenem Beispiele vorangeht, die Tapferkeit eines jeden Soldaten zu würdigen, ohne Unterschied, ob er Katholik, Protestant oder Jude sei. Kurz nachher kam die Nachricht von einer Judenhetze, die im Vaterlande Jstoczi's stattgefunden Hatte, nach Wien. Da that der Kaiser den denkwürdigen Ausspruch: „Ich dulde keine Judenhetze in Meinem Reiche!" Zweifellos hat der Bericht des FZM. Philippovich dazu beigetragen, daß der Kaiser sich in so energischem, entschiedenem Tone gegen den Antisemitismus aussprach. — Unter der Überschrift „General und Rabbiner" wird aus Karlsbnrg in Siebenbürgen geschrieben: Herr Fran; v. Wattek, seit 1884 hier garnisoniereuder Brigadegeneral und Festungskommandaut, wurde zum Divisionsgeneral ernannt und nach Kaschau versetzt. Zwei Tage vor seiner Abreise überraschte er den hiesigen Rabbiner Herrn K. Weiß mit seinem Besuche. Als der Rabbiner seiner Verwunderung hierüber Ausdruck gab, sagte der General: „Ehrwürden, wenn wir auch im Verlaufe meines hiesigen fünfjährigen Kommandos persönlich einander ferngestanden, so haben mich dennoch mehrere Gründe zu diesem Abschiedsbesuche gedrängt. Ich würdige in Ew. Ehrwürdeu den Patriotismus, den Sie in Ihrem, dem Hintritt des geliebten Kronprinzen Rudolf gewidmeten Nachrufe bekundet haben. Ich schätze in Ihne» die Pflichttreue und Pünktlichkeit, mit welcher Sie alljährlich die Befreiung der jüdischen Soldaten vom aktiven Dienste für die Zeit der israelitischen hohen Feiertage erwirken. Der rechtschaffene, vom blinden Glaubenseifer nicht angestachelte Mensch muß jeden Glauben in gleicher Weise achten. Ich liebe daher nicht nur meine Glaubensgenossen und deren berufstreuen Seelsorger, sondern auch die gläubigen und pflichtbewußten Seelsorger anderer Konfessionen, wenn diese ernsthaft bestrebt sind, ihre Religion ungeschminkt zu wahren. Schließlich kann ich nicht umhin, anerkennend den Wohlthätigkeitssinn der hiesigen israelitischen Gemeinde hervorzuheben, den ich alljährlich beim Herannahen der israelitische» Osterfeiertage zu bewundern Gelegenheit hatte, da die Gemeinde,