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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-10-01 · Heft 10 (1.10.1889) · p. Seite 237

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 10 (1.10.1889)
Date
1889-10-01
Page
Seite 237 (sequence 21)
Language
German
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237 zwei jüdische Bürger, Herr Uordorfer znm Bürgermeister und Herr Schik in den Gemeinderat gewählt. — In Prag wird ein neues israelitisches Friedhofsgebäude mit Ceremoniensaal und Leichenhalle aufgeführt. Der bisher im Gebrauche befindliche wird am Schluffe dieses Jahres gesperrt. — In Komorn wurde Sudwisch Kisch, ein Jude, der im März 1888 in Ischa den 70 jährigen Kaufmann Salomon Ainer und dessen Frau und Enkelin ermordete, zum Tode verurteilt. — In Sudapest tagte am 21. und 22. August unter Vorsitz des Herrn Direktor Elca;ar Szänto die Geueral-Versammlung des ung.-isr. Landes-Lehrervereius, der gegenwärtig 500 Mitglieder zählt. Das Vereinsvermögen beläuft sich auf 23781 fl. ö. W. — In S. A. Ujhely gaben sich am 28. Juli, am Sterbetage des vor 48 Jahren daselbst verstorbenen Rabbiners Moses Geitelbaum, die Chafsidim ein Stilldichein. Es erschienen über 2000 jüdische Wallfahrer mit 26 Rabbinern, die schaarenweise auf das Grab des Entschlafenen pilgerten um kleine Zettelchen in hebräischer Sprache als Bittgesuche hinzulegen. Daß doch der Aberglaube in Ungarn heutzutage noch so viele Menschen gefangen hält! — Die „Allgemeine jüdische Zeitung" in Sudapest enthält eine Erklärung, wonach orthodoxe und neologe Juden zwei ganz verschiedene Religionsgenossenschaften bilden und daß die Anhänger dieser beiden Religionsgeuossenschaften keinerlei Gemeinschaft weder haben können noch dürfen. Die Erklärung, die in diesen Thesen aufgestellt wird, trägt die Unterschriften von 236 Rabbinern. — In Kaab kamen auf Einladung des Herrn Rabbiner Löw aus Szegedin, Fischer aus Kaab und Ueumann aus Gr.-Kaniha am 13. August mehrere Rabbiner zusammen, um über Angelegenheiten des Judentums zu beraten. Es wurde der Beschluß gefaßt, eine Rabbinerversammlung einzuberufen, um über die wichtigsten Fragen des gegenwärtigen Judentums zu beraten und zu beschließen. — In einem Artikel „der Neuzeit" in Wien, der sich mit den Schäden in der Gemeindeverwaltung beschäftigt, heißt es am Schluffe: „Und solchen haltlosen Menschen, denen das Ghetto mit allen seinen mittelalterlichen Auswüchsen noch in allen Gliedern liegt, ist unsere Zukunft, die religiöse Erziehung unserer Jugend, der das Ghetto nur noch eine halb verklungene Sage ist, iiberantwortet, überantwortet in einer so tief aufgewühlten Zeit, wie die unsere!" „Aber es wird nicht ewig so bleiben. Schon lassen sich — allerdings vorerst noch im Auslande und auch dort noch sporadisch — gewichtige Stimmen vernehmen, welche, uneingeschüchtert von der momentan herrschenden reactionären Strömung, die im Grunde nichts anderes als eine durch die wüsten antisemitischen Bewegungen der letzten Jahre erzeugte stumpfe Ratlosigkeit ist, die herandämmernde Morgenröte eines neuen, urkräftigen, allen mittelalterlichen Staub abschüttelnden Judentums signalisieren. Es wird nicht lange währen, und diese Weckrufe werden sich hundertfach wiederholen und einen mächtigen Widerhall in den Herzen der heranreifenden Generation finden."— Der neugewählte Pastor der evangelischen Gemeinde in Wien, Herr Dr. Erich Iohanny, sagte in seiner Antrittsrede am 4. August: „Man müsse durch seine Handlungen, durch Liebe und Duldsamkeit beweisen, daß man des Namens Christ würdig sei!" Auf die Form käme es nicht an, die Hauptsache sei ein gutes Herz. In dieser Hinsicht könnte der Jude Moses Montefiore, der mit glühender Begeisterung für die Wahrheit und seine arme Glaubensgenossen kämpfte, manchem Christen zum Vorbilde und zur Leuchte dienen. Nicht jeder sei Christ, der sich Christ nennt, sondern nur wer wie Christus handelt. Liebe, Duldsamkeit, Reinheit des Herzens, schloß der Redner, das ist das wahre Christentum. Neid, Rache, Haß und Unduldsamkeit kennt es nicht. — In Galizien leben nach den

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