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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-10-01 · Heft 10 (1.10.1889) · p. Seite 236

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 10 (1.10.1889)
Date
1889-10-01
Page
Seite 236 (sequence 20)
Language
German
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236 nach fast 2000jähriger Zerstreuung noch in ihrer Eigenart Zusammenhalten. Treu und zäh wie kein anderes Volk sind die Juden geblieben bei ihren Ueberlieferungen und ihrem Glauben: wiewohl tausendfach geknechtet und zertreten, dennoch lebenskräftig und ausharreud immerdar; in ihrem Elend wie in ihrer Treue ein Zeichen allen Völkern. Man Pflegt ja vielfach, öffentlich und im gewöhnlichen Verkehr, von den Juden nur mit scherzendem Wort oder beißendem Witze zu reden. Man pflegt sie als eine uns widerwärtige fremde Rasse zu behandeln und lieblos zu bekämpfen mit solchen Mitteln und Worten, die man gegen andere Gegner nicht gebraucht. Meine Lieben, ich frage offen: stammt solches Verfahren aus dem Geiste Jesu Christi oder aus unserm natürlichen Menschen? — In einer Predigt „Unsere Juden-Zeugen Gottes" von Lic. fj. Keßler Prediger zu Serlin heißt es: Unser Christentum kann keinen Eindruck auf unsere Juden machen, so lange Laster aller Art unter uns im Schwange gehen, und es steht schlimm mit unsrer Judenmission, wenn es Tugenden gibt, in deren Ausübung unsere Juden uns Christen übertresfen. Wir müssen schamrot werden, wenn das Familienleben bei jenen mehr Eintracht zeigt als bei uns. Wir haben keine Entschuldigung, wenn unter uns Genußsucht und Unmäßigkeit im Schwange gehen, wo jene Sparsamkeit, Nüchternheit und Genügsamkeit aufzuweisen haben. Und was sollen wir dazu sagen, wenn, wie am Tage liegt, jüdische Kinder das vierte Gebot besser zu erfüllen wissen als christliche? Da rede man doch nicht von allerlei jüdischen Sünden und suche nicht den Splitter aus jener Augen zu ziehen, so lange der Balken im eigenen Auge steckt! — Herr Gtto Funcke, Pastor an der Friedenskirche in Dremen, schreibt in einem Aufsatz über „Simeon den ersten Missionszeugen": „Wenn wir auch heute in Israel nur eine Ruine ... des alten Gottesvolkes vor uns haben, so muß es uns doch ehrwürdig sein um dessentwillen, was wir alle ihm verdanken; es muß uns ehrwürdig sein wegen seiner Vergangenheit und ehrwürdig wegen seiner Zukunft. Denn es blüht ihm noch eine große Zukunft. Es soll noch einmal das große Missionsvolk unter den Nationen werden. So bezeugt Gottes Wort. Darauf deutet auch seine wunderbare Erhaltung. Das sollten die Antisemiten besser bedenken." — Nach Fünfkirchen wurde Herr Di'. Kerles, früher in Kerskemet, als Rabbiner berufen.— Am 14. Juni starb in Krünn Herr Oberkantor Sal. Schwär;. Er war auch als Komponist synagogaler Gesänge bekannt. — In St. Johann starb am 21. August Herr Bezirksrabbiner Jakob Reiniger. Bei dem Leichenbegängnisse am 23. August hoben die Herren College« Pollak aus Holirs, Dr. Kisko aus Malacha und Engel aus Sassin die Tugenden und Verdienste des Verstorbenen in anerkennender Weise hervor. — Am 8. Juli starb in StraKonih Herr Jacob W. Fürth. Er hat sich um das Aufblühen der jüdischen Gemeinde große Verdienste erworben und stand auch in nichtjüdischen Kreisen in großem Ansehen. Herr Rabbiner Dr. Friedländer schilderte im Tempel am aufgebahrten Sarge die Verdienste des Heimgegangenen in tiefempfundenen Worten. — In Solefo starb der Rabbiner Herr §t. f. Hlumgrund. — Die Gemeinde in Kogarasch in Siebenbürgen hat von dem verstorbenen Vorsteher der Gemeinde, dem pensionierten jüdischen Hauptmann A. Speiser, der unter militärischen Ehrenbezeugungen und großer Theilnahme zu Grabe getragen wurde, ein Vermächtnis von 30 000 fl. ö. W. erhalten. Die Gemeinde, die bis jetzt nicht in der Lage war, einen Rabbiner anzustellen, wird jetzt einen solchen berufen. — Am 7. August fand in Sriinn unter Vorsitz des Herrn Dr. W. Eisler die Generalversammlung des mährisch-schlesischen israelitischen Lehrervereins statt. — In Kothjanowih, wo nur drei jüdische Faniilien wohnhaft sind, wurden

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