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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-10-01 · Heft 10 (1.10.1889) · p. Seite 235

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 10 (1.10.1889)
Date
1889-10-01
Page
Seite 235 (sequence 19)
Language
German
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235 1256 auf 1303 gestiegen- — In Sachsen beträgt die Zahl der jüdischen Seelen 11 000. Die öffentlichen Schulen besuchen 2081 israelitische Kinder. — Gegen .das antisemitische Treiben in Sachsen wird eine Petition an die Regierung vorbereitet, die bereits 2200 Unterschriften trägt. — Man berichtet uns: Im Lehrervereine in Filehne hielt Herr Lehrer I. Kernstein einen sehr lehrreichen, mit vielem Beifall aufgenommenen Vortrag über „Erziehung und Unterricht bei den alten Inden." Solche Vorträge sind geeignet, die bei manchen christlichen Lehrern vorhandenen Vorurteile gegen das Judentum zu beseitigen. — Die „Luxemburger Ztg." schreibt: „Folgender Akt der Pietät verdient in die Oeffentlichkeit zu gelangen: „Vor etwa 11 Jahren mußte der inzwischen verstorbene Herr Hippolyte Gahen seine Zahlungen einstelleil und kam damals ein gerichtliches Konkordat von 50pCt. zu Stande. Dieser Tage nun hat der Sohn des Verstorbenen, Herr Emile Eahen aus Antwerpen, um den Namen seines Vaters zu rehabilitieren, den Rest aller Schulden desselben an 100,000 Fr., an die Gläubiger auszahlen lassen. Ehre einem solchen Sohne und einer solchen That!"— In der Begleitung des Schah von Persien befindet sich als dessen Zahnarzt ein galizischer Jude Namens Aaftali Wagschal, der in besonderer Gunst seines Herrn steht. — Herr Studiosus Eichler, Sohn des Superintendenten gleichen Namens in Pasewalk, der vor einigen Monaten in Folge eines antisemitischen Auftritts in Kerlin den Studiosus Hluhm im Duell erschoß und dieserhalb zu zwei Jahren Festungshaft verurteilt war, ist begnadigt worden. — In Kerlin studiert ein Herr Uifsiin aus Plojescht Medizin, dessen Lehrer der Czar Alexander HI. gewesen, als er als Großfürst Thronfolger daselbst bei dem jüdischen Bankier Jakob Uifsim zur Zeit des russisch-türkischen Krieges wohnte. „Ich werde ihm Nachhülfe erteilen, lassen Sie den Knaben zu mir kommen" sagte der russische Thronfolger zu Frau Nissim, einer überaus feingebildeten Dame, als sie sich bei ihm über den Quartaner beklagte, der für seine lateinischen Arbeiten die schlechtesten Noten nach Hause brachte. Der Unterricht hatte auch Erfolg und der Lehrer der Schule war über die Fortschritte seines Schülers erstaunt. — Die Gesellschaft zur Beförderung des Christentums unter den Juden beklagt in ihrem jüngst zur Versendung gelangten sechsunddreißigsten Bericht, daß dieselbe keine nach außen hin glänzende Erfolge aufzuweisen hat und daß es „lahm vorwärts geht". Getauft wurden im abgelaufenen Jahre neun Juden. Ausgegeben wurden Mk. 41219.46. Missionär Gottlieb wurde nach Jassy entsendet und an seine Stelle ist in Serlin Herr Simsa getreten. — In einer Predigt über Evang. Luk. 19, 41—48 am 10. Sonntag n. Tri». 1888 im Dom zu Magdeburg gehalten von Lic. Mlh. Dornemann heißt es: Des großen Volkes, sage ich. Gewiß, es mögeil uns manche Züge des jüdischen Volkscharakters unsympathisch sein, und selbst die Freunde Israels beklagen und strafen an ihm Mammonsknechtschaft, Selbstbespiegelung und andere Fehler. Aber deshalb ist es weder recht noch christlich, nur mit oberflächlichem Witz und mit beißendem Spott von den Juden zu reden. Es ist ein großes Volk, nicht bloß ausgestattet mit reichen natürlichen Gaben, sondern auch hervorragend in der Heilsgeschichte, weil unter allen Völkern zuerst betraut mit der Gotteskindschaft und Gotteserkenntnis, mit dem Bunde und dem Gesetz, mit dem Gottesdienste und der Verheißung. Ihm gehören die Patriarchen an und gewaltige Charaktere wie Elias und Jeremias; ihm gehörte dem Fleische nach auch unser Heiland Jesus Christus au. Und Israels Volksgeschichte ist großartig und ergreifend von den Tagen Mosis und Davids bis zu denen der Makkabäer und bis heute, wo die Juden 20*

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