Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1889)
- Date
- 1889-10-01
- Page
- Seite 229 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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229 Daß es Dir leicht sei, Bitte Gott inniglich, Daß es erreicht sei. Die größten Wunder der Natur, vergiß Ob sie alltäglich auch, nicht zu beachten. Die Meisten scheinen mehr die Sonnenfinsternis, Als Glanz und Pracht der Sonne zu betrachten. Mitleid ist des Juden Hier! Barmherzig sei auch Deinem Tier. Sein Futter werde nie vergessen, Gieb's ihm, noch eh' Du selbst magst essen, Und meide zumal Seine nutzlose Qual! Mitleidig sei dem nichtjüdischen Sklaven, Erschwere ihm die Arbeit nicht. Und versäumt er seine Pflicht, Meid' ihn verächtlich zu bestrafen. Siehst du der Menschen Fehle, Erfreu's nicht Deine Seele, Es thu'e Dir leid! Ja, für den Feind selbst bete, Daß Gott er näher trete, Ihm dien' allezeit. Auf Deine Fehler sieh, Auf Deine Spenden nie. Und hat man Dich gekränkt — Es sei in Nacht versenkt. Das Herz ist eine Tafel rein; Drauf schreibt Der Narr mit Kritzelein, Der Weise sich mit Edlem ein. Dich selbst, Dein Weib, die Kinder lieb, All Dein Besitztum übergieb Gott, ihm sei es geschenkt, Trag gern, was er verhängt. Doch ich muß schließen. Nur eine Erinnerung: Wenn uns Antisemiten Verleumden und verhöhnen: — Denkt: Es leben die Sitten Der Väter in den Söhnen. Das Vorbild edler Ahnen, Was sie gedacht, geschrieben, Gelitten — soll uns mahnen: Nicht hassen gilts, nein lieben.