Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1889)
- Date
- 1889-10-01
- Page
- Seite 228 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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228 Aus dem Schristfchatz der Juden. Bon Rechtsanwalt Emil Lehmann in Dresden. (Schluß.) V. Wie aber die Sittenlehre von den jüdischen Rabbinern und Schriftstellern in des Mittelalters schwersten Zeiten gepflegt wurde, davon zum Schluß noch zwei Beispiele: Als im Jahre 1240 in Paris der Talmud dem Scheiterhaufen verfiel, und die Juden verzweifelt und erbittert waren, rief ihnen Rabbi Mose ben Jakob aus Couch zu: „Wer vergiebt, dem wird vergeben. Hartherzigkeit ^und Unversöhnlichkeit sind eine schwere Sünde, eines Israeliten unwürdig. Wer aber noch Anfänger ist in der Gottesfurcht, soll täglich beim Aufstehen sprechen: Heute will ich ein treuer Diener Gottes sein, mich hüten vor Zorn, Lüge, Haß, Zank und Neid und will denen vergeben, die mich kränken." Und in dem vor 400 Jahren geschriebenen „Buche der Sitten" stehen Mahnungen, wie folgende: Auf schwankenden Besitz von Geld, Ist rastlos Deine Arbeit gestellt. Wend' an der Mühen bessren Teil Zu Deiner unsterblichen Seele Heil. Du hast Dich geschmückt Um Menschen zu gefallen — Da Gott ins Herz Dir blickt, So schmücke das vor Allen. Bist Du klug und reich Thu' Gutes sogleich, Und wende nicht ein: Du müssest erst klüger und reicher noch sein. Halte Deine Seele rein, Ob jung, ob alt. Wer weiß, wie bald Wird sie Dir abgefordert sein. Manch Jüngerer ging schon vor Dir ein. Vor Sünden schützt Einsamkeit, Oder — edler Menschen Gemeinsamkeit. Dankbar erkenn's zu jeder Zeit: Von manchem Leid bliebst Du befreit, Und bist doch, gesteh' es offen, Nicht besser, als die's betroffen. Was Du besitzest, ist nicht Dein Soll Dir geliehen nur sein. Will's Gott, so streichts ein Andrer ein: Darum den Armen nie verachte, Da Dein Verdienst nicht reich Dich machte. An Wohlthun gewöhne Dich,