Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1889)
- Date
- 1889-09-01
- Page
- Seite 213 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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213 100jährigen Bestehens. — Der berühmte italienische Dramaturg und Romantiker Wttorio Srrsosto behandelt in einer seiner neuesten Studien die sogenante „Judenfrage" und kommt dabei zu folgenden erfreulichen Schlußfolgerungen: „Die Juden sind unzweifelhaft ein Kulturvolk ersten Ranges. Trotz aller Bedrückungen und an Barbarei streifenden Ungerechtigkeiten, mit denen man dasselbe heute noch in unserem aufgeklärten Jahrhundert mißhandelt, steht dieses Volk in kultureller Beziehung weitaus höher, wie diejenigen, die mit lächerlichem Hochmut darauf herabblicken. Die Statistik beweist, daß die Juden viel weniger Analphabeten und Bettler haben, als andere Völker. Dasselbe gilt von den jüdischen Verbrechern, Prostituirten und illegitime» Geburten. Die Ziffern reden in dieser Hinsicht eine beredte Sprache, zu der die Juden trotz aller Anfeindungen sich gratuliren können. Die jüdische Moral, der Hang der Juden zum Guten, ist viel zäher, viel intensiver als derjenige bei dem Gros der Christen." — Auf Ersuchen der Stadt Genua schreibt Aaron Franchetti eine Oper „Christoph Columbus" zur vierhuudertjährigen Feier der Endeckung Amerikas. — Am 10. Juli wurden von dem alten Friedhof in Genua der enteignet wurde, mehr als 500 Särge nach dem neuen zu Staglieno überführt und daselbst in feierlicher Weise beigesetzt. — In Mailand starb Herr Isaia Ghiron, 1837 in Gasale geboren. Wegen seiner hervorragenden Bedeutung als Orientalist wurde er 1867 zum Bibliothekar der Braidense in Mailand berufen. Sämmtliche Blätter widmeten ihm tiefempfundene Nachrufe und die Minister Crispi und Boselli drückten der Wittwe telegraphisch ihr Beileid aus. Unter ungeheurem Andrangs fand seine Beerdigung statt. Viele Hochschulen, der Senat, die Kammern waren durch Deputationen vertreten. Herr Rabbiner Fumaro widmete ihm auf dem Friedhofe Worte des Nachrufs. — Aus Petersburg schreibt man: Herr Anton Aubinstrin feiert am 30. November sein eigentliches 50jähriges Künstlerjubiläum. Der Kaiser von Rußland hat ein Comite, an dessen Spitze der Herzog Georg von Mecklenburg-Strelitz steht, bestätigt, welches eine Subscription zur Bildung eines Kapitals eröffnet, das dem Meister bei dieser Gelegenheit als Ehrengabe zur Verfügung gestellt werden soll. Außerdem werden alle Akademien, Vereine, Künstler rc. eingeladeu, sich durch Deputationen oder in anderer Weise an der Feier zu betheiligen. — In der medicinischen Fakultät in St. Petersburg sollen im laufenden Jahre Juden nicht ausgenommen werden. — Im „Jbri Anochi" wird aus Kischenew niitgeteilt, daß die Kirche des Juden-Christen I. Kabbinowitz sehr von Inden besucht sei. Er selbst hält sich für einen Propheten. In Kischenew müßte nach der jüdischen Gemeinde ein tüchtiger Prediger berufen werden, denn der Durst nach dem Worte Gottes daselbst ist groß. — In Ghirago starb am 14. Mai, Herr Rabbiner Dr. Samuel Hirsch, geb. 8. Juni 1815, früher Rabbiner in Dessau und Luxemburg. Er war ein biederer Charakter und trug seinen Glaubensgenossen mutig das Banner der Reform vor. Von diesem eifrigen Vertreter der Reform des Judentums sind wertvolle religionsphilosophische Schriften, Kanzelvorträge und Schulschriften erschienen und hat derselbe durch seine hinreißende Beredsamkeit und ausgezeichnete Begabung viel zur Verinnerlichung des jüdischen Lehrinhaltes und zur intellectuellen und socialen Hebung seiner Glaubensgenossen beigetragen. Sein Andenken wird stets ein gesegnetes bleiben. — Am 6. April wurde in Ghirago der siebzigste Geburtstag des um die Juden in Amerika so hochverdienteil Rabbiners Isar M. Mise unter großer Teilnahme seiner Freunde und Verehrer gefeiert. Der Jubilar wurde in Eisgrub in Mähren am 14. April 1819 geboren. — Am 1. Mai starb in Kimberley