Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-09-01 · Heft 9 (1.9.1889) · p. Seite 212

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 9 (1.9.1889)
Date
1889-09-01
Page
Seite 212 (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2969669-2969768-2969778--2690-2972882
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

mit den Rabbiner» und sagte u. A.: „Ich weiß sehr wohl, daß Euer Loos ein trauriges ist, und war stets bereit, Euch zu helfe». Mehr als einmal habe ich Eure Sache gegen Eure Widersacher vertrete», und falls Ihr auch jetzt etwas zu erbitten habt, so übergebt mir eine Bittschrift, ich reise in die Residenz und bin bereit, inich für Euch zu verwenden," - Im Wiener Gemeinderat habe» die Autisemiten den Antrag gestellt, die Regierung möge gebeten werden, den Inhalt des jüdischen Gesetzbuches „Schulchan-Arnch," welches i» den Talmud- Thoraschulen gelehrt wird, von einer Fachcommission prüfen und untersuchen zu lassen, ob die darin enthaltenen Lehren und Grundsätze mit den in Oesterreich geltenden Staatsgrnndgesetzeu und den bürgerlichen Gesetzen vereinbar sind. Daß der Wiener Gemeinderat die Angelegenheit einer Commission überwiese», ist auffallend. Was hat die Verwaltung einer Stadt sich mit Fragen litterarischer Natur zu befassen? — Der Antisemit Josef Seidel in Wien, Herausgeber des Blattes „Die Sonntagsruhe", ist wegen Veruntreuung und Urkundenfälschung zu 6 Monaten schweren Kerkers verurtheilt worden. — In einer am 15. Juli in Prag stattgehabten Volksversammlung des altczechischen Bürgerclubs bezeichnete Herr Landtagsabgeordneter Prof. Dr. Palacky den Antisemitismus als den größten Schandfleck unseres Jahrhunderts. — Aus Paris berichtet man: Ein Verwandter des berühmten Abbe Gregoire, der sich um die Eniancipation der Inden so hohe Verdienste erworben, richtete an den Großrabbiner von Paris ein Schreiben, worin er ihm 1000 Frcs. mit der Bitte übermittelt, diese Summe „als Erinnerung an die Centenarfeier der bürgerlichen Freiheit" unter die Armen zu vertheilen. Das betreffende Schreiben beklagt in schärfster Weise die antisemitische Bewegung, die es einen „Schandfleck der modernen Cultur" nennt. — Der Verein zum Schutze jüdischer Mädchen in Paris, an dessen Spitze Frau Baronin Uathaniel von Rothschild steht, unterstützte im vergangenen Jahre 112 Mädchen mit etwa 13,000 Frcs. — 88 jüdische Künstler haben in diesem Jahre im Pariser Salon ausgestellt. — Der Senator Ulontefiore- Levi in Brüste! hat 1,000,000 Francs für die dortige Sternwarte gespendet. — Herr Emile Worms, Professor der Staatsökonomie und Korrespondent des Belgischen Instituts, ist znm Mitglied der Königlichen Akademie in Brüssel ernannt worden. — I» London starb Frau Therese Wontefiore, geborene Schornstein, gleich hervorragend durch edle Eigenschaften des Geistes und Herzens. Sie nahm an den philantropischen und litterarischen Bestrebungen ihres durch sociale Stellung und Gelehrsamkeit gleich ausgezeichneten Mannes lebhaften Anteil. Ehre ihrem Andenken! — Der Schah von Persien empfing am 4. Juli in London eine Deputation der britischen Inden, darunter Lord Rothschild, Sir Julian Goldschmidt, Sir Albert Saston, I. Sebag-Wontesiore, welche ihm eine Adresse überreichten, worin sie der bisherigen Wohlthaten des Schah dankbar erwähnten, und für weitere Gleichstellung ihrer Glaubensgenossen baten. Der Minister Malkolm Kohan antwortete im Aufträge seines Souveräns, daß er keinen Unterschied der Konfessionen kenne und ein jeder seiner Unterthanen das Recht habe, persönlich vor ihm zu erscheinen und sich wegen ihm angethaner Gewaltthätigkeiten zu beschweren. Abends fand bei Sir Albert Saston zu Ehren des Schah ein großartiges Fest statt. — In London weilte jüngst ein Herr Jesajas Hellmann aus Los Angelos (Kalifornien), welcher in seinem Wohnorte die höchsten Ehrenämter bekleidet. Er besitzt ein Vermögen von 60,000,000 Mk. und ist als Wohlthäter für Unterrichts- und Erziehungsanstalten bekannt. — Am 28. und 29. Juni feierte die isr. Gemeinde in Utrecht den Gedenktag ihres

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.