Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1889)
- Date
- 1889-09-01
- Page
- Seite 211 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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211 völkernng vielfach von derselben in das Fahrwasser des Antisemitismus gebracht wird. Wir verzeichnen hier die denkwürdige Aenßerung des päpstlichen Nuntius am Wiener Hofe, des Erzbischofs Luigi Galimberti an Herrn Josef v. Engel in Fünfkirchen: „Unsere Kirche steht Ihrer Confessio» keineswegs feindlich gegenüber, ist sie doch ans derselben hervorgegangen und hat sie doch mit ihr so viele Berührungspunkte, wie die Bibel, die Propheten, die Psalmen und noch mehr. Jede positive Religion ist dem leider überhand nehmenden Atheismus vorzuziehen, der die soziale Ordnung zerstört, daher solle» alle Coiifessionen einig sein und friedlich neben einander wirken. — Den Intentionen des heil. Vaters entsprechend, sind auch meine Bestrebungen hierauf gerichtet. Versichern Sie Ihre Glaubensgenossen meiner aufrichtigen Sympathieen." Dieser Kundgebung reihen sich würdig an die Worte des Bischofs Lobos von Earnom, welcher auf eine von jüdischer Seite in Ia;owslr>i an ihn gehaltenen Ansprache erwiederte: „Unser Glaube macht zwischen Mensch und Mensch gar keinen Unterschied, und das Alte und Neue Testament, sie haben neben vielen ander» gerade das Gebot der Menschenliebe gemein. Diese Liebe ist ein mächtiges Bindemittel, und sie wird es ermöglichen, daß Christ und Jude hier zu Lande stets in Harmonie Zusammenleben werden. Um aber das ganz herbeizuführen, bedarf es möglichst allgemeiner Verbreitung von Aufklärung und Bildung, und ihr dürft stolz sein darauf, daß ihr deren Pionire seid. Haltet euch versichert, daß euch unter dem niilde» Scepter Sr. apostolischen Majestät und in einer Nation, welche euch liebevoll ausgenommen in einer Zeit, da ihr von allen übrigen Nationen verfolgt werdet, kein Härchen gekrümmt werden wird" und ferner die Worte, welche Herr Lobos zu einer jüdischen Deputation in Wus;yna gesprochen: „Meinen innigsten Dank für den herzlichen Empfang. Es freut mich, daß Ihr mir Gelegenheit geboten habt, Euch die Versicherung zu geben, daß die ehrlichen und aufrichtigen Christen die israelitische Religion und deren Bekenner verehren. Wir wisse» eben, daß die israelitische Religion die ältere ist und die unsere von ihr abstammt. Unser Heiligstes, unser Messias und die Apostel stamme» aus Israel. Unsere Gebete und Psalmen sind jüdischen Ursprunges. Wir glauben alle an den.Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Ich bin daher auch bestrebt, Eure religiösen Gefühle zu schonen und in diesem Sinne haben auch meine Organe zu wirken. Wir verlangen von Euch nur Eines: Achtet unsere Religion, wogegen Ihr wieder das Recht habt, das Gleiche von uns zu verlangen. Besonders die Polen und ihre Könige waren gegen die Juden immer human. Zu einer Zeit, wo Eure Väter überall verfolgt und aus allen Ländern verjagt wurden, hier sind sie von den Polen und ihrem großen König Kasimir brüderlich ausgenommen worden. Es geht Euch auch hier, dem Himmel sei Dank, recht gut, was wir Euch herzlich gönnen. Es sind zwar in der letzten Zeit sehr bedauerliche Erscheinungen zu Tage getreten, aber diese werden, so Gott will, bald wieder vorübergehen. Haltet nur fest an den Geboten Moses, dann wird Euch kein Haar gekrümmt werden! Ich schließe mit dem Wunsche, daß Gott Euch, Eure Kinder und Kindeskinder auf diesem von uns allen so heiß geliebten Boden segnen möge! Amen." — Am 22. Juni besuchte der Metropolit Platon aus Kiew auf der Durchreise nach Petersburg die Stadt Kowno, und unter den Deputationen, welche den Kircheufiirsten begrüßten, befanden sich auch die Häupter-der jüdischen Gemeinde, an ihrer Spitze Herr Oberrabbiner Jizchak Elchanan Spector und Kronsrabbiner Schnitkind, welche ihm eine kunstvoll allsgestattete Adresse überreichten. Nach Verlesung derselben unterhielt sich der Metropolit sehr leutselig 18*