Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1889)
- Date
- 1889-09-01
- Page
- Seite 210 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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210 dem Landes-Congresse der nng. Judenheit im Jahre 1869, wo er die Ideen der Reformpartei mit einer Überzeugung und Beredtsamkeit verfocht, die alle Zuhörer in Staunen versetzte. In seiner Gemeinde wirkte er als geistliches Oberhaupt seit 1859 und seine Gemeinde und alle, die ihn kannten, werden ihm gewiß ein ehrenvolles Andenken sichern. Das Leichenbegängnis fand am 13. Juni Abends 1/a6 Uhr statt. Die Gedenkrede hielt ans Aufforderung der Gemeinde in der Synagoge Herr Oberrabbiner Dr. Steinherz aus Stuhlmeißenburg. Nebendem sprachen noch die Herren Prof. Dr. Dächer, Rabbiner Dr. Fischer, Lehrer Szep und S. Sanorzi. — Der zukünftige Minister des Innern Graf Geyza-KeleKi besuchte Pfingsten seinen Wahlbezirk Uagy-SomKut (Szatinarer Com.), die dortige isr. Gemeinde ergriff die Gelegenheit dem zu ernennenden Minister ihre Treue und Anhänglichkeit durch eine Deputation zu verdolmetschen. Der Graf empfing selbe sehr gastfreundlich und sprach sich im Allgemeineil über die Bekenner des Judentums sehr lobend ans. Er betonte ihre Staatstreue und ihren Patriotismus. Am Schlüße conversirte er mit jedem einzelnen Mitglied« und versicherte selbe seines Schutzes. — Unser Glaubensgenosse Dr. Kunos Ignatz, der auf Staatskosten den Orient bereiste, erhielt von der nng. Akademie eine beträchtliche Subvention, uni die Herausgabe seiner wissenschaftlichen Nachforschungen über die Wrkei und Arabien ehebäldigst zu ermöglichen. — Die Gemeinde zu Szigetvar feierte am 29. Mai die Installation ihres neuerwählten Rabbiners Dr. Kahn. Selber absolvirte seine Studien am Landes-Seminar zu Budapest. — Am 28. Mai fuhr der Blitz in die ueuerbaute Synagoge zu Mrs-Topolya ein und zertrümmerte mehrere Kandelaber und einen Teil der Gallerie. Das Gebäude blieb unversehrt. — In Graz wurde Herr Dr. Schey zum Dekan der juridischen Fakultät an der dortigen Universität erwählt. — Der jüngst verstorbene Herr Inlins Wolfner i» Dudapest hat 50,000 fl. ö. W:, für wohlthätige Zwecke bestimmt. — Das isr. Siechenhaus in Sndaprst hat aus der Hinterlassenschaft des jüngst verstorbenen Herrn Hermann Kahn ein sehr großes Legat erhalten.— In Ungarn sollen endlich Mischehen gesetzlich erlaubt werden, wie in Cisleithanien. Bislang wurden auch außerhalb Ungarns in andern Ländern geschloffene Mischehen nicht anerkannt. — In Krakau tvurde die mit einem Internate verbundene Dr. Kapoport'sche israelitische Handwerkerschule feierlich eröffnet. — Die Statthalterei hat das Gesuch des Bereins „ Beth Hamidrasch“ in Wien um Bewilligung zur Errichtung einer Lehranstalt zur Heranbildung von Rabbinern und Religionslehrern in Wien dem Magistrate zur Begutachtung zugemittelt. Die Äußerung des Magistrats lautet dahin, „daß gegen die Gewährung kein Anstand obwalte, sobald der Berein eine für die Leitung geeignete Persönlichkeit namhaft macht und dem Staate im Sinne der Staatsgrnndgesetze die oberste Leitung und Aufsicht über die Anstalt geivahrt bleibt." — Die Stiftung des Herrn Baron Hirsch, welcher 50 Millionen Francs zum besten der russischen Juden bestimmt hat, ist nun »ach langeil Unterhandlungen annullirt worden, da Baron Hirsch nicht jene Unterstützung bei der russischen Regierung gefunden hat, die er zur gedeihlicheil Wirffamkeit seiner Stiftung erwartete. Auch in Wien sind bezüglich der galizischeu Stiftung von 12 Millionen Francs die Unterhandlungen mit der österreichische» Regierung noch im Zuge. — An der Universität in Kndapest sind 1072 jüdische Studenten inseribiert. — Bon Bedeutung sind die judenfreundlichen Kundgebilngen des hohen katholischen Klerus in Ungarn und Galizien von denen zu wünschen iväre, daß die niedere Geistlichkeit sich dieselben zur Richtschnur nehmen möchte, da auf dem Lande die Be-