Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-09-01 · Heft 9 (1.9.1889) · p. Seite 200

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 9 (1.9.1889)
Date
1889-09-01
Page
Seite 200 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2969669-2969768-2969778--2678-2972870
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

200 Bliebe ewig Sonnenschein, Kauft ich Leichenkleider ein, Würden All' am Leben bleiben. Einer der ältesten Reisebeschreiber ist Benjamin aus Tudela (1173). Nach der Wirksamkeit auf seine Zeit und auf folgende Jahrhunderte ist der größte unter de» spanisch-jüdischen Schriftstellern Maimonides: Rabbi Moses ben Maimun, abgekürzt Rambam, geboren in Cordova am 30. März 1135, gestorben als Leibarzt des Sultans von Egypten und als Haupt (Nagid) der egyptischeu Judengemeinden in Fostat, siebenzigjährig, am 13. Dezember 1204. Die abgekürzte Namensnennung für die jüdischen Autoren nach den Anfangsbuchstaben erhielt sich durch viele Jahrhunderte. Ihr würde es etwa entsprechen. wenn man Gotthold Ephraim Lessing: Gel nennen wollte. Maimonides war Astronom, Mathematiker, praktischer Arzt, Bibel- und Talmud- Erklärer, eine vielgesuchte Autorität für rabbinische Rechtsfragen, Theolog, Jurist und Philosoph. Er entstammte einer bereits in acht Geschlechtern blühenden Rabbinerfamilie, wie denn auch seine Nachkoninien bis ins fünfzehnte Jahrhundert bedeutende Talmudisten wurden. Er aber war der hervorragendste unter Allen wie unter den mittelalterlichen Juden überhaupt. In seinem 24. Jahre wanderte er mit seinem Vater und seinen Geschwistern von Spanien nach Fez in Nordafrika aus. Dort suchte er die infolge staatlichen Druckes als Scheinmohamedaner lebenden Glanbeusgenossen insbesondere durch seine Schrift »Jggereth Haschemad" zu trösten, zu begeistern und zur Auswanderung in religionsfreiheitliche Länder zu veranlassen. Er selbst, durch dies Auftreten in Lebensgefahr versetzt, wanderte mit den Seinen nach Palästina aus. Von da nach Egypten. Hier beteiligte er sich zunächst an dem von seinem jüngeren Bruder betriebenen Juwelenhandel, der diesen auf Geschäftsreisen bis nach Indien führte. Krankheit und Geschäftsverluste trafen ihn — er fand seinen Trost in der Wissenschaft, in der Bearbeitung eines Riesenwerks, seines Mischnah- Kommentars „Sirag" (arabisch geschrieben, die Beleuchtung). Es war die erste wissenschaftliche Bearbeitung des Talmud. Mit Vorliebe behandelte er die mathematischen, astronomischen, physikalischen, anatomischen, ethischen und philosophischen Darlegungen desselben. Er betonte die Sitteulehre und die philosophische Gottesanschauüng der Mischnah, und legte Wert vor Allem auf das, was auch uns heute noch als das strahlendste Kleinod unsres Gebetbuches erscheint und erscheinen muß; auf die herrlichen Sprüche der Väter. Er suchte Judentum und aristotelische Philosophie in Eins zu verschmelzen. Von ihni rühren aus dieser Schrift die 13 Glaubensartikel her, die ein unbekannter Dichter in dem schönen Gebetbuch-Liede Jigdal zusammenstellte. Das zweite größere Werk des Maimonides, an dem er mitten in seiner rabbinischen und ärztlichen Thäligkeit zehn Jahre anhaltend gearbeitet, war sein Religionsbuch Mischneh-Thora, später genannt: Ja<l ehasaka, die starke Hand, zugleich in Anspielung auf die 14 Abschnitte, in die der systematisch denkende Verfasser das Buch einteilte. Es ist ein philosophischer Talmud, der zugleich Sittenlehre, Gesundheitspflege, Alles auf talmudischer Basis, aber in systematischer Ordnung enthält. Dieses Buch, kaum veröffentlicht, wurde in unzähligen Abschriften in allen Ländern, wo Juden wohnten, verbreitet: im Morgenlande, in Spanien, bis an's Ende der bewohnten Erde. Maimonides wurde schon bei Lebzeiten gepriesen, als „der Einzige des Zeitalters," „die Fahne der Rabbinen", „der Erleuchter der Augen Israels". Doch fehlte es ihm auch an Gegnern nicht.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.