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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-09-01 · Heft 9 (1.9.1889) · p. Seite 194

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 9 (1.9.1889)
Date
1889-09-01
Page
Seite 194 (sequence 2)
Language
German
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194 der Exilirung Juda's erwartete man die Rückkehr des Volks und die Wiederherstellung des Reichs von der Wiedereinsetzung der eigenen davidischen Dynastie; ein Gesalbter aus dem Hause Davids sollte und werde Erlöser sein. So lauteten die Tröstungen und Weissagungen der Propheten; so waren die Hoffnungen und Erwartungen des Volks. In der That war ein Sprößling des davidischen Königshauses, Serubabel, an der Spitze des ersten Zuges der Heimkehrenden, aber die Wiederherstellung der Dynastie gelang ihm nicht. Die Perser duldeten aus politischen Gründen eine solche Selbständigkeit nicht, Judäa sollte unter persischer Oberhoheit stehen und politisch abhängig und tributär bleibe«; es wurde unter hohepriesterliche Verwaltung gestellt und als persische Satrapie eingerichtet, indem Palästina mit Syrien zu einer Provinz dafür vereinigt wurde. Der Gedanke an die Wiederherstellung der davidischen Dynastie und eigener politischer Selbständigkeit trat in den Hintergrund, der Art sogar, daß später, als es unter den Makkabäern den Juden gelang, wiederum eine selbständige Königsherrschaft einzusetzen, man dafür nicht einen davidischen Prinzen, sondern einen makkabäischen Priester wählte. Das Messiastum hatte demnach ursprünglich zwar eine dynastische Tendenz uud eine politisch-nationale Bedeutung, verlor diese aber und erhielt einen idealen Sinn. So lange das Reich Juda bestand, ja so lange die Exilirten noch Hoffnung auf Wiedererlangung der politischen Selbständigkeit und Wiederherstellung der davidischen Dynastie hatten, erhielt sich die politische oder nationale Bedeutung des Messias, welcher als Erlöser erhofft wurde und als Gesalbter des Herrn und als König Israels dem Volke Rettung und Befreiung aus der babylonischen Knechtschaft bringen sollte. Als Israel Hoffnung hatte, durch Cyrus, den Perserkönig und Eroberer Babylons, diese Selbständigkeit und Freiheit zu erlangen, wurde er als Erlöser gepriesen und sogar Messias genannt. Als jedoch diese Hoffnung sich zerschlug oder doch sich nicht vollständig erfüllte, schlug der Messiasbegriff um, er verlor seine politisch-nationale Seite und erhielt eine ideale Bedeutung. Man setzte seine Hoffnung nicht mehr auf Menschen oder gar auf eine bestimmte Persönlichkeit, sondern erwartete Heil und Erlösung von Gott. Von Gott aber können die idealen Zustände des äußern Friedens und der innern Zufriedenheit nur indirekt herbeigeführt werden, direkt müssen die geistige Hebung und die sittliche Besserung Israels dafür Mitwirken. Da jedoch Israel für seinen Frieden und seine Zufriedenheit, für sein häusliches Glück und sein persönliches Heil auch des Völkerfriedens, des einträchtigen Zusammenlebens mit der Menschheit bedarf, knüpft sich daran die Bestrebung für und die Hoffnung auf universelle Ausbreitung des Judentums, allgemeine Anerkennung des einzigen, einigen und wahren Gottes und die Befolgung seiner Lehren über Sittlichkeit, Gerechtigkeit und Nächstenliebe seitens aller Menschen und Völker. Die Erfüllung und Verwirklichung dieser Aussichten läßt sich aber nie recht an eine bestimmte Persönlichkeit, so auch nicht an eine bestimmte Zeit knüpfen; sie gehört der fernen, unbestimmbaren Zukunft an. Man spricht nicht mehr von einem davidischen Gesalbten als Messias Israels, sondern von messianischen Zeiten der Zukunft für die ganze Menschheit. Auch der Talmud spricht sich in gleichem Sinne aus: Die alten messianischen Hoffnungen haben sich bereits in der Vorzeit erfüllt, die neuen Weissagungen werden sich in später Zukunft mit der idealen Erhebung der ganzen Menschheit erfüllen. Die verständigen Lehrer haben zu allen Zeiten vor bestimmten Hoffnungen und Weissagungen in der Erwartung eines persönlichen Messias gewarnt; sie haben solche als trügerisch hingestellt. Trotzdem hat sich,

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