Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1889)
- Date
- 1889-08-01
- Page
- Seite 191 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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191 mann in einer Schrift „Ernste Antworten ans ernste Fragen Franz Delihsch's" (Wien 1888, Kommissionsverlag CH. D. Lippe) gezeigt, auf welchen schwachen Stützen die Aufstellungen Delitzsch's beruhen. Der Glaube au die Einheit Gottes, bemerkt W. init Recht, ist „dem Juden mit Flammenbuchstaben in sein Herz geschrieben". Das ist eine Thatsache, die alle Bekehrungsversuche zu Nichte macht. Unbegreiflich ist es, wie Delitzsch behaupten kann: „Wir glauben au Gott, Gottessohn und Gottes heiligen Geist, wie ja auch die Juden an Gott und seine Schechina und seinen heiligen Geist glauben." Wir haben uns nach einer solchen Formulierung des jüdischen Glaubens, nach welcher dieser sich als eine Parallele des Trinitarismus darstellen soll, bei den jüdischen Dogmatikern vergeblich umgesehen. Auch die Bemerkungen W's. über die „Schechina" können wir uns nicht vollinhaltlich aneiguen, aber so viel ist jedem, der den Gebrauch dieses Wortes in dem rabbinischen Schristtume kennt, klar, daß dasselbe nur einen Begriff, der aus der Thatsache der göttlichen Offenbarung und Waltung in Israel sich ergibt, nicht eine göttliche Person bezeichnet. Ebenso hat auch die Lehre vom heiligen Geiste im Judentum nie zu einer dogmatischen Bestimmung der Wesenheit Gottes gedient, ja selbst nicht einmal eine so grundlegende Bedeutung erlangt, daß eine rationalistische Auffassung derselben als Apostasie gegolten hätte. Wie übrigens jedwedes Argument allgemeiner Natur durch ebenso begründete Gegenargumente entkräftet werden kann, wird Hr. Delitzsch aus dem weiteren Inhalte der Weißmann'schen Schrift ersehen können, deren größerer Wert für uns in manchen geistvollen Bemerkungen besteht, die hier gelegentlich ihren Platz fanden. Fragen dieser Art, die in jeder Konfessionsgemeinschaft ihre bestimmte Lösung gefunden, sollten nicht von der einen in die andere hineingetragen werden; es wird dadurch, da eine völlige Objektivität bei der Besprechung derselben fast nicht möglich ist, die Erkenntnis der Wahrheit nicht gefördert. — Ein anmutiger Kranz lieblicher Geistesblüten von erquickendem Dufte verdient Franz Delihsch's „Iris, Farbenstudien und Dlumenstücke" (Leipzig 1888, Dörffling & Franke) genannt zu werden. Jeder einzelne der hier gesammelten Vorträge ist ein kleines Kunstwerk, an dein aber nicht nur die Formvollendung, sondern auch das aus den Quellen wissenschaftlicher Forschung hervorgegrabene kostbare Material, das zu seinent Aufbau verwendet wurde, das Auge des Betrachtens anzieht. Poesie und Symbolik, Altertumskunde und Psychologie, Natur und Sprachwissenschaft liefern den ebenso sinnig als geistvoll behandelten Stoff zu den die verschiedensten Zeitalter und Kulturgebiete uinfasienden Betrachtungen über die herkömmlichen Vorstellungen von den Farben, wobei namentlich die betreffenden biblischen Angaben ihre richtige Erklärung fanden. Wir verweisen besonders auf die treffliche Arbeit „der Talmud und die Farben" (S. 76—94). Die übrigen Stücke behandeln, wie schon die Titel „Plauderei über Blumen und Blumenduft"; Liebe und Schönheit", „ewige Liebe ewige Jugend" andeuten, mehr allgemeine Themen, doch fehlt es auch hier nicht an interessanten Einzelnheiten. Einen wichtigen Beitrag zur alten Sagenkunde, durch den auch eine in der rabbinischen Haggada vorkommende Erzählung durch anderweitige Parallelen beleuchtet wird, erhalten wir in Nr. VI („das Blumenrätsel der Königin von Saba" S. 118 — 128). — „Sind die Juden wirklich das auserwiihlte Volk? ein Seitrag zur Sichtung der Judenfrage von Franz Delihsch" (Leipzig 1889, Zentralbureau der Institut«, judaiwi). In der Hauptstelle, welche von Israel als einem auserwählten Volke spricht (2. B. M. 19, 5), ist diese Bevorzugung au die Bedingung geknüpft, daß es auf die Stimme Gottes höre und seinen Bund bewahre. Es versteht