Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1889)
- Date
- 1889-08-01
- Page
- Seite 190 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2969669-2969768-2969777--2665-2972856- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
190 in allen Kreisen anerkannt werden wird, zumal der Verfasser auch auf die Quellen, die sorgfältig angegeben sind, gründlich einging und dieselben selbständig erforscht und verarbeitet hat. Die Ausstattung des Buches ist eine sehr schöne zu nennen. -- „Frankfurter israelitischer Uolks-Kalender nebst jiid. Sotel-Adreßbuch, siebenter Jahrgang" (Frankfurt a. M. 1888. I. Kauffmann). Dieser beliebte Kalender ist auch diesmal mit interessanten biographischen, historischen und novellistischen Beilagen ausgestattct („der Thron des Königs Salomo" von A. Sulzbach. „Um die Mazausecke herum", Züge aus dem Leben des Majors Burg darstellend, und „die Weiber von Weinsberg" von demselben, „der Dalles des roten Pfeffermann" von Sacher Masoch u. A.) Er empfiehlt sich auch sonst durch seinen Inhalt und dürfte besonders das Adressen-Verzeichnis jüdischer Restaurants in manchen Kreisen willkommen sein. — „Die altjüdische Religion im Uebergange vom Dibeltnme zum Galmudismus von Israel Sack" (Berlin, Dümmler 1889, 612 S.). Die Entstehung und Entwicklung der verschiedenen Sekten, in die das Judentum innerhalb der zweiten Tempelperiode sich verzweigte, wird in diesem gehaltvollen Werke, das als eine Geschichte derselben gelten kann, in sehr einleuchtender Weise dargelegt. Der Verfasser, dessen neue Aufstellungen oft überraschen aber nichts destoweniger in vieler Hinsicht das Richtige darbiete», hat mit richtigem Blicke die Tendenzen und Anschauungen, die in den einzelnen Parteirichtungen hervortrateu, erkannt. Bon vorwiegendem Interesse ist der mit großer Klarheit geführte Nachweis, daß das Christentum aus dem Essäismus hervorgegangen ist. Den vielfach erklärten Namen Essäer leitet der Verfasser von „Jescha" (Heil) ab und daraus erklärt sich auch der Name „Jesus" (Heil) für den Messias, der, wie der Verfasser zeigt, dem aus dem Tode auferstandenen Johannes beigelegt wurde. Johannes und Jesus sind nach dem Verfasser nur eine und dieselbe Persönlichkeit, wofür er recht triftige Nachweise liefert. Wenn diese Hypothese, wie auch manche andere Annahme des Verfassers, noch mancherlei Bedenken unterliegt, so ist sie doch von wissenschaftlichem Standpunkte ans i» hohem Maße beachtenswert. Das Werk ist keine ephemere Erscheinung und wird bei historischen Untersuchungen über die ältere Entwicklungsgeschichte des Judentums und des Christentums stets zu zu Rate zu ziehen sein. — Ernste Fragen an die Gebildeten jüdischer Religion von Franz Delitzsch (Leipzig, Zentralbureau der Instituta judaiea 1888). Zu einer Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben, die der Verfasser durch diese Schrift wohl Hervorrufen will, liegt für die Bekenner des Judentums vorläufig keinerlei Veranlassung vor. Sie besitzen in der Bibel und auch in dem Schrifttume der Tradition einen so reichen Vorrat religiös-moralischer Belehrung, daß sie solche nicht erst aus anderen Quellen zu schöpfen brauchen. Für den Trinitarismus, die Anerkennung Jesu als Gottmenschen und spezifisch christliche Glaubensartikel dürften die „Gebildeten jüdischer Religion" auch durch diese Schrift nicht zu gewinnen sein; dem jüdischen Religionsbewußtsein sind solche Lehren von Hause ans fremd und sie lassen sich, wofür vorliegende Schrift nur selbst eine neue Probe liefert, durch biblische Zeugnisse und Vernunftbeweise nicht hinlänglich begründen, sie fordern Glauben und solcher läßt sich für sie denen, die ihn mit den ihnen überlieferten Lehren unmöglich vereinen können, nicht beibringeu. Einen Eindruck oder gar einen Erfolg bei den Lesern, für die diese Schrift bestimmt ist, wird sich wohl der Verfasser selbst von ihr nicht versprechen und wir glauben daher auf ihren Inhalt, dessen Besprechung unter diesen Umstünden nur einen akademischen Charakter haben könnte, weiter nicht eingehen zu »lüssen. Inzwischen hat Herr Arthur S. Weiß-