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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-08-01 · Heft 8 (1.8.1889) · p. Seite 192

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 8 (1.8.1889)
Date
1889-08-01
Page
Seite 192 (sequence 24)
Language
German
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192 sich daher von selbst, daß diese Erwähltheit hohe sittliche Verpflichtungen in sich schließt, durch deren Nichterfüllung jene aufgehoben erscheint. Die Frage, die in vorliegender Schrift beantwortet werden soll, wäre also zunächst nach der Seite hinzustellen, ob das Verhalten Israels nach jener Bedingung, unter welcher allein « es „ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk" genannt zu werden verdiente, entspreche oder ob mit der Einführung des von dem Gesetze losgelösten Judentums, d. i. des Christentums in die außerjüdische Welt die historischen Voraussetzungen, unter denen einst mitten in einer heidnischen Welt die Erwählung Israels stattfand, geschwunden sind. Diese wäre in letzterem Falle als eine durch spätere Entwicklung überwundene Thatsache auzusehen, mit der die Gegenwart nichts zu thun hat und die überdies dadurch, daß das Urteil über die Erfüllung der obenerwähnten Verpflichtung nur dem ewigen Weltenrichter zusteht und den Menschen nicht offenbart wird, allezeit zweifelhaft bleibt. Wenn der Vers. S. 7 fragt: Woher hat dieses Volk (Israel) den Alleinbesitz dieser Grundwahrheit, welche von unendlich religiösem sittlichem Werte? " so wäre damit die weitere Frage zu verbinden gewesen, ob „das Volk als Volk" sie überhaupt besessen hat. Wir wissen nur, daß sie durch seine Patriarchen ihm überliefert, durch seine Propheten ihm verkündet, in seinen heiligen Schriften ihm übergeben worden ist, daß sie aber in Geist und Herz des Volkes so tief eingedrüngen ist, ist historisch nicht hinlänglich bezeugt, es geht vielmehr aus den Strafreden aller Propheten zur Genüge hervor, daß die große Masse des Volkes sich gerade für dieselbe nicht sehr empfänglich gezeigt hat und demnach Jahrhunderte hindurch das Attribut der Auserwähltheit für dieselbe nicht in Anspruch genommen werden konnte. Für den Nachweis, daß die Zugehörigkeit zur Gottesgemeinde durch die Abstammung nicht bedingt sei, wie ja diese ohne das Verdienst dieselbe nicht begründen konnte, ist Ps. 47, 10 (s. S. 12) nicht ausreichend, da mit „ammim“ daselbst die Stämme Israels bezeichnet werden, deutlicher ist dies in Jes. 56, 3 ausgesprochen. Die Behauptung S. 24: „Im alten Testamente gehört zur Gemeinde Gottes, wer dem erwählten Volke angehört" ist demnach nicht richtig, lieber den „Nationalgott" Israels (S. 16) wollen wir weiter kein Wort verlieren. Derselbe ist eine längst abgethane Fabel; vor einer solchen Vorstellung war der Jude, der nur den ersten Vers der Bibel gelesen hatte, hinlänglich geschützt. In den Betrachtungen über das „Ziel der Geschichte Israel" (S. 27 ff.) wird die Thatsache. daß diese noch lange nicht abgeschlossen ist, ignorirt. Der vorchristliche Entwicklungsgang hat überhaupt im Judentume selbst keinen Abschluß gefunden, da dieses, unabhängig von der Entstehung des Christentums, auf dem Wege, der seiner inneren Natur nach ihm vorgezeichnet war, sich fortleitete. Daß „eine noch zukünftige Erfüllung der Geweissagten, die die in Jesus gegebene überböte, undenkbar" sei, kann der Verfasser von seinem christlichen Standpunkte aus wohl behaupten, desungeachtet darf wohl die Gegenbehauptung gestattet sein, daß das prophetische Erlösungsideal bis jetzt eine Verwirklichung, die weitere Wünsche und Fortschritte entbehrlich machte, nicht gefunden hat. Die weiteren Konklussionen entfallen dadurch von selbst._ I nhä frrHntqen^|;i~®nr^(^rngeli~em^i3ciien. — d emSchriftschatz der Judelü Bon Rechtsanwalt Emil Lehmann in Dresden. (Fortsetzung.) — Das Kartenspiel vom Standpunkt des Judentums. — Monatsschau. — Referate und Mitteilungen. — _Beilage.__ Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber I)r. Adolf Brüll; in Kommission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Auffarth; Druck von H. L. Brönner's Druckerei (F. W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.

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