Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1889)
- Date
- 1889-08-01
- Page
- Seite 189 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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189 <im Osterfest auf offenem Markte einen „Juden" bis aufs Blut zu stäupen. Da sich Israeliten natürlich dazu nicht hergeben mögen, so pflegt man irgend einen blutarmen Christen dafür durch Bezahlung zu gewinnen. In Malaga artete diese Komödie jedoch in diesem Jahre in ein blutiges Drama aus. Der unglückliche „Jude" wurde näinlich von seinen Peinigern so grausam behandelt, daß er, von Blut überströmt, unter ihren wuchtigen Streichen zusammenbrach und schleunigst in das Hospital geschafft werden mußte. — Die Aargauer Israeliten beteiligten sich in dankbarer Weise bei der Einweihung des Denkmals für Augustin Keller, der mit Einsetzung aller seiner Kraft die Emanzipation der Aargauer Juden durchsetzte. Seinem Einflüße war es zu danken, daß die Ghettis von Endingen und Lengenau fielen. — Man schreibt uns: Unter der Ueberschrift „Erstaunenswerte Schlußfolgerung" veröffentlicht die Brüsseler „La, Clironique“ folgenden zeitgemäßen Artikel: Der „Ami de 1’Ordre“ welcher mit außerordentlicher Schärfe in befreundeten klerikaleil Blättern alles aufzufinden weiß, was seinem Apostolate Vorschub leistet, veröffentlicht unter dem Titel: „Die Juden in Ungarn" eine sehr gute Geschichte: „Ein junges Mädchen, Naniens Melanie Keglevirs stellte sich der Amtsbehörde von B u d w e i s vor und verlangte ein Arbeitsbuch, um in einer städtischen Fabrik zu arbeiten. Aus den vorgezeigten Papieren dieses jungen Mädchens ging hervor, daß es aus der Familie des Grafen von Keglevics war. Der Journalist, der diese interessante Geschichte erzählt und den des „Arni de 1'Ordre“ nicht nennt, ruft nun aus: „Darunter stecken die Juden, welche die Familie dieses edlen Hauses geplündert haben!" Das ist gewiß möglich. Aber warum hat sich das edle Haus plünderi» lassen? Die Keglevics, obgleich edel oder eben weil edel und reich, führten ohne Zweifel ein ausgelassenes Leben. Ihre Revenuen genügten einer solchen Existenz nicht. Sie fingen also an Hypotheken auf ihre Besitzungen zu nehnien und dann, als sie keine weitere Mittel mehr kannten, sich den Wucherern, Juden oder Andern hinzugeben. Sie haben sich also nach Allem doch selbst ruinirt. Und sofort wird gesagt, es ist die Schuld der Juden! Wenn man den Hund töten will, muß er toll sein. Die Klerikalen machen es ebenso mit den Juden, auf welche sie einen Haß tragen, den nichts sättigen kann, weil — im Mittelalter die Christen ihnen alle denkbaren Torturen zufügten. So denken die Gläubigen von der Art des „Arni de I' Ordre“. Weferate und Witterungen. Von dem Werke: „Die Lehrer der Mischnah", ihr Leben und Wirken nach den Quellen für Schule und Haus bearbeitet von Dr. M. Hraunschweiger in Mürchurg, welches achtzehn Bogen umfassen wird, liegeil uns durch die Freundlichkeit des Verfassers bereits fünf Aushängebogen vor. Indem wir uns Vorbehalten, dieses äußerst wertvolle Buch, die Frucht langjährigen Fleißes, bei seinem Erscheinen ausführlich zu besprechen, wollen wir durch diese Zeilen nur vorerst die Aufmerksamkeit unserer Leser auf dasselbe hingelenkt und es zur Anschaffung hiermit auf wärniste empfohlen haben. Eine klare sachliche populär gehaltene Darstellung des reichen hoch interessanten Stoffes, welcher das Leben und die Lehren der hervorragendsten Geister innerhalb des Judentums umfaßt, verleiht dem Werke, in welchem die Vorarbeiten der Fachgelehrten und deren Publikationen in hebräischer und deutscher Sprache sorgfältig benutzt wurden, einen Wert, der