Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1889)
- Date
- 1889-08-01
- Page
- Seite 187 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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187 Kainer, hielt in feierlicher Sitzung eine glänzende Rede und sagte unter Anderem: „Leider muß gesagt werden, daß ein Kampf gegen Aufklärung und Fortschritt - eröffnet wurde, aber wir wollen hoffen, daß diese Erscheinung bald vorüber geht." Diese Worte, von einem Mitglieds des kaiserlichen Hauses gesprochen, haben in Oesterreich gegenwärtig aktuelle Bedeutung, weshalb auch die lichtfeindlichen Elemente wild durch einander toben. — Graf fnnffe empfing am 6. Juni in Lemberg auch den Vorstand der jüdischen Kultusgemeinde und sagte, mit Vergnügen habe er die Wahrnehmung gemacht, daß in diesem Lande der Antisemitismus nicht in solchem Grad aufgetreten sei, wie in einem anderen Kronland, wo bedauernswerte Ausschreitungen vorgekommen seien, aber auch dort sei die Strömung nicht so sehr auf den Judenhaß zurückzuführen, als vielmehr darauf, daß der Antisemitismus einigen kleinen Fraktionen als Deckmantel für ihre mannigfachen Bestrebungen diene. Uebrigens habe diese Strömung auch dort ihren Höhepunkt erreicht. Man habe der Regierung nahegelegt, die antisemitische Bewegung durch Ausnahmemaßregeln zu bekämpfen, aber mit solchen Mitteln könne dagegen nichts ausgerichtet werden. Auch in Böhmen habe die antisemitische Bewegung Dank dem Takte, der Judenschaft keine große Ausdehnung gewonnen. „Nehmen Sie die Versicherung entgegen", so schloß der Ministerpräsident, „daß die Regierung darauf bedacht ist, Ihnen die staatsgrundgesetzlich gewährten Rechte zu schützen." — Man berichtet uns aus Paris von dem Tode des Grases Alfred Potocki. Den Juden war er sowohl als Ministerpräsident, als auch jahrelang als Statthalter von Galizien ein wohlwollender und milder Herr, ein Förderer ihrer Kulturbestrebungen und voll Teilnahme für ihre Leiden. Mit vielen jüdifchen Familien hatte er seit frühester Zeit freuudschaftliche Beziehungen unterhalten. — In Paris starb Herr Hippolite Lampert, Präsident der dortigen ' Synagogenverwaltung und Ritter der Ehrenlegion. — Am 22. Mai starb der Artillerie-Conimandant Herr Georges Henri Halphen. Er war auch ein hervorragender Mathematiker und Astronom und erhielt im Jahre 1885 den von der Berliner Akademie ausgesetzten ersten Preis für Leistungen auf dem Gebiete der Mathematik. Seine Beerdigung fand unter hohen militärischen Ehrenbezeugungen in Versailles statt. — Bon dem bekannten französischen Antisemiten Drumont erscheint eine Geschichte der Juden. — Jean Luois Dawfe aus Toulouse hat ein Werk herausgegeben, in welchem er sich als Messias proklamiert und an die Inden und Christen wendet, ihm anzuhangen. — Auf Anregung des Herrn Rabbiner K. Levi in Paris ist daselbst ein Co mit« zusammengetreten, um jüdische Findelkinder, die bislang zumeist in städtifchen Anstalten unrergebracht und getauft wurden, in Privatpflege zu geben und für ihre Erziehung zu sorgen. Diese Einrichtung verdient in anderen Städten Nachahmung. — Der Präsident der französischen Republik hat Herrn Emil Jakob Eahen für Beweise von Mut und Unerschrockenheit, die er im November 1884 und im Dezember 1888 durch das Anhalten scheugewordener Pferde gegeben, eine silberne Medaille verliehen. — Die französische Regierung hat Herrn I)i\ Strauß mit einer wissenschaftlichen Mission nach Haiti und St. Domingo gesandt. — Herr Leon Draunschweig in Paris, einer der gelehrten Mitarbeiter der „llevue des Etudes Juives“, ist mit der Ausarbeitung eines für die jüdische Geschichte höchst wichtigen Werkes beschäftigt, welches den Titel „Jüdische Geographie des Abendlandes" führen wird. — Herr Di-. S. Mahner hielt im Jew-College in London einen Vortrag über Dr. Iunz. — Am 7. Mai hielt Rev. A. Levy in London im „Biblischen Altertums-Verein" einen Vortrag über elohistische und jehovistische Eigennamen. 16*