Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-08-01 · Heft 8 (1.8.1889) · p. Seite 186

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 8 (1.8.1889)
Date
1889-08-01
Page
Seite 186 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2969669-2969768-2969777--2661-2972852
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

186 hielt eine tiefempfundene Leichenrede, nachdem der Delegierte der Stadtgemeinde, Herr Direktor Koloszek. ihm einen schwungvollen Nachruf gehalten. — In Wien starb der Regimentsarzt Herr Di'. Bernhard Spitzer, der durch die Verbesserung antiseptischer Verbände auch in den militär-ärztlichen Kreisen Deutschlands einen bedeutenden Ruf erlangt hat. — Am 23. April wurde Herr Heinrich Halberltarmn in Srodp zu Grabe geleitet. Er war ein Vorkämpfer für Fortschritt und Äufklärung und mehrere Jahre hindurch Obmann der Filiale der Wiener israel. Allianz. — In Wien fand ein Duell zwischen dem Prinzen Alois Schwarzenberg und dem Baron Ludwig Erlanger statt. Die Ursache des Duells soll eine spöttische Bemerkung Schwarzenberg's über die jüdische Abstammung Erlanger's bei einem Rennen, bei welchem Erlanger's „Jos" siegte, gewesen sein. — In einem Vortrage, welchen Dr. Sig. Fehler zu Wien in der österr. israel. Union über die Polarfrage hielt, wies derselbe nach, daß auch Juden an den verschiedenen Polar-Expeditionen teilgenommen haben und daß es namentlich jüd. Aerzte waren, die, selbst dem Hungertode preisgegebe», sich mit bewunderungswürdiger Aufopferung ihrem Dienste widmeten. — In Kolomea, wo 18 000 Juden wohnen, wurde durch die Oesterreichische-Jsraelitische Allianz eine Schule eröffnet. — Frau Minister-Präsidentin v. Wsza hat das Vermögen des Waisenhauses des Pestcr Israel. Frauenvereins mit dem Betrag von 12490 Gulden vergrößert. — Den antisemitischen Studenten gegenüber hat sich ein „Liberaler Wiener Studenten-Vereiu" gebildet. Derselbe, der von Fischhof und Walterskirchen bereits anerkennende Briefe empfing, erhielt einen solchen auch von P. K. Rosegger, dem berühmten Romancier. Der Dichter schreibt: „Wer die Ideale des Freisinns und der Humanität hegt, der könnte sich unter der heutigen akademischen Jugend Oesterreichs vielleicht einsam fühlen, hätte er nicht andere Kameraden, nämlich die bedeutendsten Dichter, Denker und Humanisten aller Zeiten. Freiheit und Brüderlichkeit sind keine Phrasen für den, der sie ernst nimmt, sondern Leitsterne, nach denen die Menschheit sich entwickelt und durch die allein ein menschenwürdiges, geselliges Zusammenleben auf dieser Erde möglich ist. Wie jede gute Sache, mißbraucht, zu einer schlechten werden kann, so auch der Liberalismus, durch dessen Ausschreitung Menschen verdarben, Stände zu Grunde gegangen sind. Ich verdamme diese Ausschreitungen und bekämpfe sie, bleibe aber in Lied und Leben den hohen Ideen der Freiheit und des Wohlwollens treu, ohne viel zu unterscheiden zwischen Nation, Konfession und Race. Auf diesem Wege nur findet man fiir Leben und Sterben den Frieden des Herzens." — Der Herr Abgeordnete Menger im Oesterreichischen Reichsrate hob in einer Rede am 8. Mai daselbst hervor, daß in Oesterreich eine vollständig ungleiche Justiz bestehe, wodurch die tiefste Entwürdigung derselben in Oesterreich eingetreten sei, anknüpfend an ein Zitat aus einer Wiener Zeitung, wo es gegen die Juden heißt: „Man braucht in dieses Banditenvolk nur hineinzugreifen und auf's Gerathewohl einen oder den andern Kerl herauszugreifen, so ist man sicher, daß inan eineu Schuft in der Faust hat. — Der czechische Protestantentag mit 600 Teilnehmen in Prag, der erste seit Erlaß des Toleranzedikts, beschloß unter Verurteilung der jetzigen antisemitischen Bewegung eine Resolution für die interkonfessionelle Schule. Unter jubelnder Zustimmung sagte der Vorsitzende: „Wir wollen keine konfessionelle Schule, die nur geschaffen ist, den Rassenhaß zu predigen; wir wollen eine freie, den Charakter bildende Schule, in welcher Humanität, Gleichheit und Liebe zum Nächsten gelehrt wird". — Der Kurator der Akademie der Wissenschaften in Wien, Herr Erzherzog

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.