Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1889)
- Date
- 1889-08-01
- Page
- Seite 182 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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m nicht von den Christen herleiteten, denn wenn sie Spiele von Fremden annahmett, gaben sie ihnen keine hebräische Namen. Wir haben das bei den Würfeln gesehen, welche im Talmad einen griechischen Namen haben, weil die Würfel von den Griechen herstammten. Diese Theorie wird durch eine andere Tatsache bekräftigt. Bald nach der Einführung der Karten in Europa findet man, daß Inden sich mit der Anfertigung der Karten beschäftigten. Jüdische Kartenmaler in verschiedenen Teilen Europas werden ausdrücklich erwähnt. Im Jahre 1520 z. B. brachte Joseph Jud eine Petition bei dem Gouverneur irgend eines Ortes am Rhein ein, zu Gunsten seines Schwiegersohnes Maier Chaim, des Schulklopfers. Der Schulklopfer hatte das Amt, die Gemeinde jeden Morgen aus dem Schlaf zu klopfen, tvenn es Zeit war, in die Synagoge zu gehen. Der Schnlklopfer betrieb das Gewerbe des Kartenmalens, und er beklagte sich, daß sein Geschäft durch andere Juden beeinträchtigt würde, die anderswo gemachte Karten einführten. Er verlangte Schutz; ob mit Erfolg, ist nicht gesagt. Der Vorfall, welchen auch Reuchlin erwähnt, schien dessen Theorie zu unterstützen, daß die Juden mit dem ersten Erscheinen des Kartenspiels in Verbindung standen. Man muß indeß zugeben, daß der Beweis nicht sehr kräftig ist. Die Einmütigkeit, mit welcher die Juden von Anfang an der Verbreitung des Kartenspiels entgegen waren, läßt sich als Gegenbeweis anführen. Ob nun die Juden das Kartenspiel in Europa eingeführt haben oder nicht, so kann doch nicht bezweifelt werden, daß sich in unseren Brüdern schnell eine Leidenschaft dafür entwickelte. Wie bei den zeitgenössischen Christen manifestirte sich diese Leidenschaft nicht nur bei den Unwissenden und Ungebildeten. Die Gelehrten und die Großen unter den Juden werden zuweilen die Opfer dieses verhängnisvollen Zaubers. Einer der traurigsten Fälle, der des Leon Modena, erinnert einigermaßen an Charles James Fox- Leon Modena war ein gelehrter Jude und ein Mann der Wissenschaft. Im Jahre 1593 kam er nach Venedig, wo er lehrte und predigte. Aber auf dem Wege zum Erfolg wurde er durch einen Stein des Anstoßes behindert: seine Liebe zum Kartenspiel. Er war sich der Gefahren des Spieles vollkommen bewußt, denn schon im Alter von 14 Jahren schrieb er eine Flugschrift dagegen, die in viele Sprachen übersetzt wurde. Obgleich er oft den Entschluß faßte, der Leidenschaft zu entsagen, deren er sich im höchsten Grade schämte, gelang es ihm nie, selbst nicht im hohen Alter- Die Rabbinen von Venedig erließen eine Verordnung, nach welcher jedes Gemeindemitglied in den Bann gethan wurde, welches im Verlauf von 6 Jahren, vom Tage der Bekanntmachung dieser Verordnung an gerechnet, Karten spielen würde. Dieses war im Jahre 1628 und wahrscheinlich gegen Leon Modena gerichtet. Er bot seine ganze Gelehrsamkeit in einer Anklage dieser Verordnung auf, welche er lebhaft bekämpfte. Vielleicht würde er seine Gewohnheit besiegt haben, ohne den Glauben an Astrologie und' Fatalismus. Er betrachtete es als sein Schicksal, zu spielen. Sicherlich war es sein Schicksal, die Strafe der Armut und Erniedrigung zu erdulden — eine schwere Strafe für eine schlechte Gewohnheit, die den Ruin dieses mächtigen Geistes herbeiführte. Der Bannfluch der Juden von Venedig int Jahre 1628 war die Veranlassung, daß die zu verschiedenen Zeiten von jüdischen Autroritäten gemachten Versuche zur Unterdrückung des Kartenspiels genauer und systematischer untersucht wurden. — Es war eine schwere Aufgabe, das Gebot durchzusetzen, auch erwies sie sich als erfolglos. Der Jude sah am Kartentisch Priester und Ritter, Bürger und Bauer; alle spielten, und spielten, um zu gewinnen. Die jüdischen Rabbineu waren machtlos einer so