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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-08-01 · Heft 8 (1.8.1889) · p. Seite 181

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 8 (1.8.1889)
Date
1889-08-01
Page
Seite 181 (sequence 13)
Language
German
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181 Glaubensglühend „Jene große Offenbarung, Die wir nennen Poesie". Das Kartenspiel' vom Standpunkt des Judentums. Einer vom Herrn Isaak Abrahams im Club der jüdischen Arbeiter in New-Iork gehaltenen Vorlesung über die Geschichte des Kartenspiels entnehmen wir die folgenden sich auf die talmudischen Zeiten beziehenden Mitteilungen: Im alten Israel kannte man weder Hazardnoch irgend welche andere Geschicklichkeit erfordernde Spiele, ausgenommen Turnübungen. Welch' eine Tatsache! Könnten wir dasselbe vom modernen Israel sagen! Die umgekehrte Behauptung würde diesem gegenüber der Wahrheit näher kommen; es möchte schwer sein, ein Spiel zu finden, das dem heutigen Israel fremd wäre, körperliche Hebungen vielleicht ausgenommen. Erst zur Zeit des Herodes oder der hellenisirenden herodischen Prinzen wurden Wiirfel bei den Juden durch die Griechen eingeführt. Daß dem so ist, beweist der hebräische Name deutlich genug. Würfel heißt auf hebräisch „Kubia",ein Wort, welches offenbar dem griechischen Kubos enstammt — Cubus — die Form, in welcher die Kaaba oder der Quadrattempel in Mecca gebaut ist. Auch das Schachspiel hat im Talmud einen griechischen Namen, da es ebenfalls den Griechen entstammt. Die Mischna bezeichnet das Würfelspiel als entehrend. Sie ging noch weiter, indem sie die Würfelspieler in die Liste derjenigen aufnahm, die vor Gericht nicht als Zeugen vorgelassen wurden. Der Eid eines Würfelspielers ist ungültig. Rabbi Jehuda ben Jlai versuchte, diese harte Maßregel zu mildern. Er machte einen Unterschied zwischen Leuten, die nur zum Vergnügen spielten (Sab. 11, 3) und solchen, die keine andere Erwerbsmittel hatten — eine sehr gerechte Unterscheidung, aber sie wurde nicht angenommen. Aller Wahrscheinlichkeit nach waren die Römer der Mischnah in der Verdammung des Würfelspiels vorangegangen. Aber in einer Beziehung sind nach Löw die Juden den Römern zuvorgekommen, nämlich in Betreff der Gesetzmäßigkeit des Gewinnes. Justinian erließ ein Gesetz, das dem Verlierer erlaubt, sein Geld zurückzufordern; aber vor seiner Zeit bestimmte Rama bau Chama, daß der Gewinn durch Würfelspiel ungesetzlich und entehrend sei — ein Ausspruch von großem Gewicht, der sich auf alle größeren Geldsummen bezog, die durch Hazardspiele gewonnen wurden. So tief war der Abscheu vor dem Spiel in talmudischen Zeiten eingewurzelt, daß das Wort „Kubuistes" Würfelspieler gleichbedeutend war mit Dieb und Spitzbube. Karten folgten dem Schachspiel: die Juden waren immer große Liebhaber des Schachspiels. Maimonides verdammt gewerbsmäßiges Schachspielen, aber der große Jehuda ha Levi spielte es mit Eifer. Abraham Jbe Ezra spielte Schach und schrieb ein Gedicht darüber. Ein großer Procentsatz der berühmtesten Schachspieler der Gegenwart besteht aus Juden: der Schachheld Steinitz; ebenso einige der leitenden Meister in dem eben beendeten Schachturnier in New-Aork: Günsberg und Max Weiß. Die erste europäische Heimat der Karten war Italien; von dort verbreiteten sie sich nach Deutschland und weiter. In Italien nannten die Juden die Karten „Kofim," ein hebräisches Wort. In Deutschland, wo das Spiel de» Juden von ihren christlichen Nachbarn überliefert war, wurden sie von ihnen immer Karten genannt. Darnach scheint es, daß die Juden in Italien das Spiel

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