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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-08-01 · Heft 8 (1.8.1889) · p. Seite 180

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 8 (1.8.1889)
Date
1889-08-01
Page
Seite 180 (sequence 12)
Language
German
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180 Prüfung herausfordert. Die Wunder der Bibel bezweifelte er mit der diplomatischen Wendung: möge hierüber Jeder denken, wie ihm beliebt- Es ist bezeichnend, und giebt zu denken, ja es gilt mir geradezu als Beweis dafür, daß Jesus überhaupt nicht gelebt hat: daß diese beiden bedeutenden Zeitgenossen — Philo starb insJahre 49, Josephus im Jahre 94 „nach Christi Geburt" — nichts von Christus wissen und erzählen. Noch eine griechische Bibelübersetzung, die des Aquila, eines erst Heide, dann Christ, zuletzt Jude gewordenen Gelehrten — hebräisch Akilas genannt, — erstand am Schluß des ersten Jahrhunderts nach Christus. Diese zweite griechische Bibelübersetzung fand den Beifall der Talmlldisten in dem Grade, daß sie den Bibelvers: „Japhet — griechische Anmut — weilt in den Zelten Sems," auf sie anwandten. Der greise Lehrer Jochanan ben Sakkai ließ, so wird erzählt, nach der Zerstörung Jerusalems sich im Sarge von seinen Schülern aus der von römischen Soldaten besetzten Stadt tragen, — als Scheintodter. Er kam ins Lager zu Bespasian und bat ihn, ihm die Errichtung einer Schule zu Jabneh,' einer kleinen Seestadt 6 Meilen von Jerusalem, zu gestatten. Die Bitte fand Erhörung. Und aus dieser Schule erwuchs das neue Leben, das mit den Ruinen des Tempels zu Jerusalem, mit dem Verbot des Wiederaufbaues dieser Hauptstadt, für Rönieraugen vernichtet schien. „Ich sterbe nicht, sondern ich lebe, und künde von göttlicher Hülfe." Dieser Jochanan, ein Johannes, hat neben Hillel und anderen edlen Weisen sein Denkmal in den Sprüchen der Väter- Er stellte seinen Schülern die Aufgabe, ihm zu künden, was für den Menschen das Beste sei. „Wohlwollen", erwiederte der Eine, „ein zuverlässiger Freund", ein Anderer, „ein guter Nachbar", meinte ein Dritter, „an die Folgen zu denken", ein Vierter, „ein gutes Herz", sagte der Fünfte, Elieser ben Aruch, und Jochanan gab diesem Recht, denn ein gutes Herz enthalte alles Andere. Jochanan war es, der den durch die Tempelzerstörung beseitigten Opferkultus auch geistig aufhob, durch den Satz: Wohltätigkeit ersetzt Opfer, er mahnte: nie stolz sei, weißt Du viel, s' ist ja Dein Lebensziel. Halacha und Hagada, die verstandesmäßige Bibelauslegung und die gemüthvolle Erzählung: Forschung und Dichtung, diese beiden Bestandteile des nachmaligen Talmud, wurden von ihin und seinen Jüngern gepflegt. „Die Halacha, diese große Fechterschule, wo die besten Dialektischen Athleten Babylons und Pumpaditha's Ihre Kämpferspiele trieben." „Letztere aber, die Hagada Will ich einen Garten nennen, Einen Garten, hochphantastisch," „Wo in schönen alten Sagen Engelmärchen und Legenden, Stille Märtyrerhistorien, Festgesänge, Weisheitssprüche, Auch Hyperbeln, gar Possirlich, Alles aber glaubenskräftig,

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