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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-08-01 · Heft 8 (1.8.1889) · p. Seite 179

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 8 (1.8.1889)
Date
1889-08-01
Page
Seite 179 (sequence 11)
Language
German
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— 179 brtett mit den Griechen in nahe Berührung. Hier entstanden die nachbiblischen, sogenannten apokryphischen Schriften, allesamt von jüdischen Verfassern, wie Sirach, das Buch der Weisheit — in dem schon deutlich die hebräische Weisheit Chochma, griechisch „Nus", neugriechisch „Logos" (an den die Evangelien anknüpften) zur Verschmelzung jüdischen Glaubens mit hellenischer Pilosophie angewandt wird. Hier in Alexandrien wurden die Erzählungen von Tobit — ein Seitenstück zur Antigone in der Mahnung zur Pietät gegen Todte — voll Judith — eine Nachbildung der altbiblischen Deborah — gedichtet. Hier in Alexandrien haben griechisch gebildete Juden die Bibel ins Griechische übersetzt: die sogenannte Septuaginta, welche wiederum die Grundlage für das alte Testament der Christenheit — die Vaticana und Luthers Bibelübersetzung bildet. Auch dieser Septuaginta hat sich die Sage bemächtigt: 72 oder 70 vom König Ptolemäus Philadelphus erbetene jüdische Gelehrte aus Jerusalem sollen auf der Insel Pharus, jeder gesondert, die Bibel ins Griechische übersetzt haben, in 72 oder 70, Tagen sollen sie fertig geworden sein, und dennoch sollen alle 72 oder 70 Übersetzungen wörtlich übereingestimmt haben. Die sogenannte Septuaginta, (d. h. eben 70) ist eine Schöpfung der alexandriuischen Juden, welche aus demselben Grunde, aus dem Mendelssohn die Bibel verdeutschte, sie ins Griechische übertrugen. In dieser Übersetzung tritt das Bestreben hervor, die dem hellenistischen Verstände fremdklingenden Äntropomorphismen (Vermenschlichung Gottes) zu umschreiben. Neuere Forschungen haben ergeben, daß auch die sybillinischen Bücher, wenigstens die drei ersten, einen alexandriuischen Juden zum Verfasser haben. Das dritte Buch schließt ganz im altbiblischen Sinne mit der Prophezeihung: Nicht wird Krieg mehr sein, nicht Trockenheit fürder auf Erden, Nicht mehr Hunger und nicht der Früchte zerstörender Hagel, Sondern ein großer Friede herrscht auf der sämmtlichen Erde. Und bis ans Ende der Zeit wird Freund sein ein König dem andern. Und nach einem Gesetz wird die Menschen auf sämtlicher Erde Der unsterbliche Gott im gestirnten Himmel regieren. Ein Gesetz, für was immer gethan die elenden Menschen, Denn er selbst ist ein einiger Gott, es giebt keinen andren. Unter diesen griechisch-alexandrischen Juden imb aus dem reichen Kranz ihrer Schriftsteller ragt Philo hervor, der angebliche Christus, denn er ist 2 bis 3 Jahrzehnte vor ihm geboren. Er suchte mosaischen Offenbarungsglauben mit griechischer Philosophie durch Allegorisirung zu verschmelzen, er arbeitete den Weisheits-Begriff, den Logos als Mittelglied zwischen den göttlichen Eigenschaften der Macht und Güte zu einem Vermittlerbegriff zwischen Gott und Welt, zu einem einziggeborenen Sohne Gottes, wie er es noch bildlich meinte, aus, und hat damit ganz wesentlich aber unwissentlich — er der eifrige, begeisterte Jude, der nichts wußte von Christus — der christlichen Evangelienlitteratur die Wege geebnet. Kurz nach ihm — 38 nach Christus — ward in Jerusalem Josephus geboren, sein Widerspiel. Er bekämpfte die alexandrinische Philosophie und hat als Geschichtsschreiber der jüdischen Altertümer und des jüdischen Krieges sich einen Ruf erworben, wenn auch seine Liebäugelei mit den Römern, an deren Kaiserhof er lebte und schrieb ebenso, wie seine Aufnahme mancher Sagen, kritische

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