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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-08-01 · Heft 8 (1.8.1889) · p. Seite 177

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 8 (1.8.1889)
Date
1889-08-01
Page
Seite 177 (sequence 9)
Language
German
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177 es wert, nicht blos mit gläubigen Blicken verehrt, sondern mit klarem Verstände gelesen, mit sinnigem Gemüt erfaßt zu werden. Denn auch auf die Bibel paßt Lessings richtiges Wort über Klopstocks Messias: Wer wird nicht einen Klopstock loben! Doch wird ihn Jeder lesen? Nein. Wir wollen weniger erhoben Und dafür mehr gelesen sein. III. Die jüdische Litteratur läßt sich in sechs Abschnitte teilen. Den ersten bildet die b i b l i s ch e Litteratur, die nach neueren Forschungen nicht so alt ist, als gläubiche Frömmigkeit annahm. Sie reicht bis etwa 200 Jahre vor Christus. Ihr folgt innerhalb eines ungefähr 300 jährigen Zeitraums die bedeutungsvolle jüdisch-helle»i st ische (alexandrinische) Litteraturperiode, deren Einfluß auf das Christentum und die Evangelien noch lange nicht hinlänglich gewürdigt ist. Die dritte Periode, die talmudische, umfaßt beinahe em Jahrtausend. Es folgt die vierte, die Blütezeit der jüdisch-arabischspanischen Dichter und Denker, ein dreihundertjähriger Zeitraum, in dem vor Allen ein Jahrhundert durch glänzende Dichtungen hervorragt. Entsprechend der Trübung ihrer weltlichen Schicksale seit Beginn des 13. Jahrhunderts haben die Juden in ihre fünfte, fünfhundert Jahre umfassende Litteraturperivde, die bis Möses Mendelssohn reicht, die rabbinische, eine düstere Färbung gebracht, und erst die neueste Periode, die unsres Jahrhunderts, die man nach ihren wesentlichsten Führern und Förderern die deutsch-reformatorische zu nennen ein Recht hat, erneute den alten Ruhmeskranz und Blütenglanz der jüdischen Litteratur. Das wesentlichste Merkmal der nachbiblischen jüdischen Litteratur ist, daß sie die Lebensweisheit und Weltbildung aller Zeiten und Völker in sich aufnahm und auf dem Grund und Boden altbiblischer Sittlichkeit, Würde und Innigkeit verarbeitete.. So hat griechische Weisheit, persische Religionsanschauung, römisches Recht, griechische Philosophie, zuletzt deutsche Wissenschaft sich aufs Innigste mit jüdischer Gemütstiefe und Geistesklarheit verschmolzen und jene Werke gezeitigt, die den Stempel jüdischer Litteraturschöpfungen tragen — nicht weil sie von Juden herrühren, sondern weil sie jüdischen Geistes sind. Denn es ist ein, heutzutage besonders weitverbreiteter Irrtum, den jüdischen Verfasser mit dem jüdischen Inhalt einer Schrift zu verwechseln. Kein Mensch nennt eine Zeitung deßhalb christlich, weil ihr Redakteur, oder gar ihr Herausgeber ein Christ ist. Aber mit der, im gehässigen Sinne gemeinten Bezeichnung einer jüdischen Zeitung sind die Antisemiten und deren Nachbeter rasch bei der Hand, wenn die Zeitung einen Juden zum Redakteur, Mitarbeiter oder Herausgeber hat. Jüdische Zeitungen sind solche, die sich mit jüdischen Angelegenheiten ausschließlich befassen; politische Zeitungen dagegen werden weder durch die Religionsangehörigkeit der daran Beteiligten, noch durch die Mitberückstchtigung jüdischer wie anderer staatlicher, religiöser, wissenschaftlicher und sozialer Fragen zu jüdischen. Und das gilt auch von Büchern und deren Verfassern. Darum gehört auch — um ein Beispiel neuester Zeit zu erwähnen — Berthold Auerbach der jüdischen Litteraturgeschichte nicht wegen seiner Schwarzwälder Dorfgeschichten,

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