Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1889)
- Date
- 1889-08-01
- Page
- Seite 176 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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176 Verdienst galt! Und doch ist die Nächstenliebe in den mosaischen wie in den übrigen biblischen Büchern im weitesten Umfange gegen Fremde, wie gegen Einheimische, gegen Freund und Feind vorgeschrieben! Aber der Jude weiß das meistens gar nicht. In allen Fragen des sittlichen Lebens stehen wir wie Fürsten da, aber wir kennen unsere Schätze nicht und lassen uns oft von einem Kärrner beschämen, und bewundern und beneiden ihn. — O, es ist eine Schmach! — Nach alledem bedarf es wohl nicht vieler Worte, um zu zeigen, daß die Vernachlässigung des Religionsunterrichts auch das Lebensglück des Heranwachsenden Geschlechtes gefährdet; es ergiebt sich aus dem Bisherigen mit erschreckender Deutlichkeit: denn mit der Ehre des Judentums büßen seine Bekenner selbst an Ansehen bei den Völkern ein; und ohne Religion entbehren sie des notwendigen sittlichen Haltes im Leben, wie ich das in der ersten Hälfte dieser Betrachtung gezeigt habe. — Und so ergiebt sich aus dem hier kurz angedeuteten Schaden, den die Vernachlässigung des Religionsunterrichts anrichtet, die Wichtigkeit desselben. Darum wende ich mich an euch alle, die ihr meine Worte gelesen, an euch, die ihr viele, vielleicht alle Aeußerlichkeiten des Judentums von euch geworfen habt — gesteht es, es hat euch dennoch auf dem rechten Wege erhalten, der Geist desselben hat euch schützend durch's Leben geleitet! — 0, so lasset es auch dem Heranwachsenden Geschlechte nicht vorenthalten; denkt eurer Verantwortung und lasset sie das Erbteil Jakobs genießen, das da berufen ist, zu werden ein Erbteil aller Völker! — Das gebe Gott! — Aus dem Schriftfchatz der Juden. Von Rechtsanwalt Emil Lehmann i» Dresden. (Fortsetzung.) Die erste dieser klassischen Stellen ist Psalm 24, 3: „An heiliger Stätte zu stehen, wer ist es wert?" „Wem rein die Hand, weß Herz in Unschuld schlägt, „Wer nicht zum Falschen seine Seele trägt „Und nicht zum Truge schwört." Die zweite Stelle im Propheten Micha (6, 8) lautet: Es ist Dir verkündet o Mensch, was gut und wert Und was der Herr von Dir begehrt: Thue Recht, mit Edelsinn handle, In Demut vor Deinem Gott wandte. Der dritte Mahnruf erklingt aus dem Munde des Propheten Jesajas 1,17: Lernt gut thun, schasst Gerechtigkeit, Seid Unterdrückten hilfbereit, Für Wittwen und Waisen sorgt allezeit. Aber die altbiblischen Schätze — so herrlich und erhaben sie sind — bilden nur die ältesten, die Grundlagen und Grundsteine der jüdischen Litteratur. Auf ihnen erhebt sich ein stattlicher Bau, zu dem fast alle seitdem verflossenen Jahrhunderte Bedeutungsvolles beigesteuert. Jener altbiblische Urschatz ist und bleibt indeß der Grundstock, und er ist