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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-08-01 · Heft 8 (1.8.1889) · p. Seite 171

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 8 (1.8.1889)
Date
1889-08-01
Page
Seite 171 (sequence 3)
Language
German
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171 Dieses die Grundzüge der jüdischen Religion; denn es kann nicht die Absicht sein, hier zu zeigen, wie sich auf ihnen unsere gesamte Glaubens- und Pflichtenlehre aufbaut. Aber meine oben aufgestellte Behauptung habe ich nunmehr wohl bewiesen: nur der Glaube an Gott und seine Batergüte bewahrt uns vor der Trostlosigkeit des sogenannten Pessimismus und läßt uns im Unglück nicht unterliegen; und nur der Glaube an Gott und die höhere Bestimmung des Menschen reißt uns zurück von den Abgründen, in die die grobsinnlichen und nur auf das Irdische gerichteten Irrlehren des sogenannten Materialismus uns stürzen müssen. b) Die G egner des Religionsunterrichts. Gewährt nun die Religion allein dem Leben höheren Wert und höhere Weihe, so muß es um so unbegreiflicher erscheinen, daß so viele Israeliten, und namentlich auch solche, die sich zu den Gebildeten zählen, von der Wichtigkeit des Religionsunterrichts so wenig durchdrungen wird. Woher kommt das? Sehen wir uns nach den Ursachen um. Es ist wahr, sagt mancher, der Glaube bringt herrliche Früchte, er wirkt Wunder; aber eben dieser Glaube fehlt mir. Ich kann nicht glauben, daß es einen Gott giebt, der sich um alle Geschöpfe kümmert und dem an unserer Tugend gelegen ist, und vollends daß der Mensch unsterblich sei. — Ja, lieber Freund, bist Du denn aber so sicher, daß das, was du glaubst, der Wahrheit entspricht? Und so stände doch höchstens Glaube gegen Glaube! Und ich meine, du müssest als rechtschaffener Mensch doch denjenigen Glauben für den besseren halten, welchem die edleren Früchte: Glück und Zufriedenheit und Tugend entsprießen. Oder hältst du die oben gekennzeichneten verderblichen Grundsätze für edler und besser als die Tugend? Und dünkst du dich wirklich glücklicher, wenn du dir selbst überlassen und verlassen durch's Leben gehst, als wenn du das Bewußtsein hast, einen allmächtigen Vater und eine ewige Heimat zu besitzen? — Doch du giebst die Gotteskindschaft und die Unsterblichkeit preis, aber die Tugend hältst auch du für unerläßlich nnd übst sie, nur nicht aus Religion, sondern um ihrer selbst willen; du bist (um in deiner Sprache zu reden) ein Philosoph und willst nur die durch Philosophie gewonnene Tugend gelten lassen. — Nun, ich will es zunächst glauben, daß d u ein tllgendhafter Mensch bist, und vielleicht noch mancher andere „Philosoph"; aber glaubst du wirklich, daß dieser Weg zur Tugend der allgemeine werden könne? Kennst du die Menschen und die menschlichen Verhältnisse so schlecht? Und kannst du als wahrer Menschenfreund einen langwierigen und gefahrvollen Umweg empfehlen, wo das Ziel auf kürzerem und gefahrlosem Wege zu erreichen ist? Das könnte doch nur thörichter Eigensinn wollen. — Bedenke aber auch noch ein Zweites. Du lässest die Tugend gelten, aber nur die durch Philosophie gewonnene. Wer soll nun diese Tugend behüten? Du selbst? Auch dann, wenn niemand dich vor Gericht forden kann? Auch dann, wenn Gut und Ehre auf dem Spiele stehn? Und wenn du schon dieser Tugendhafte bist, meinst du, daß auch die vielen Tausende anderer, die deine Tugend vorziehen sollten, so fest an ihr hängen, ohne an Gott zu glauben? Nein, mein Lieber, bilde, dir nicht ein, die auf philosophischer Ueberlegnng beruhende Tugend vermöge uns besser zu schützen, als die der Gottesfurcht (Jir’o) entsprungene. Mit anderen Worten: die Wichtigkeit des Religionsunterrichts zu verkennen, ist eine arge Selbsttäuschung 16*

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