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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-08-01 · Heft 8 (1.8.1889) · p. Seite 170

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 8 (1.8.1889)
Date
1889-08-01
Page
Seite 170 (sequence 2)
Language
German
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170 - / fach verantwortlich gemacht werden; bietet doch gerade die jüdische Religion den besten Schutz gegen dieselben. Allerdings ist der Mensch auch nach der Lehre unserer Religion schwach und unzulänglich; aber er ist im Ebenbilde Gottes geschaffen, und der Odem des Allmächtigen macht ihn verständig (Hiob 32, 8), legt ihm die Schöpfung zu Füßen und giebt ihm die Herrschaft auf Erden (Ps. 8, 4—10). Somit zeigt sich im Menschen nicht bloß die Herrlichkeit Gottes, der im Schwachen stark ist, sondern auch zugleich der Vorzug vor dem Tiere, den nur eine verdüsterte und völlig verirrte Lebensanschauung leugnen kann. Diesen Geist nimmt Gott dereinst wieder in sich auf. „Und es kehrt der Staub zurück zur Erde, wie er war, und der Geist kehrt zu Gott zurück, der ihn gegeben" (Kohel. 12, 7). „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt — und wenn mein Fleisch dahin ist, schaue ich Gott," (Hiob 19, 25, 26). Ja (und dieser Vorzug vor dem Tiere ist noch herrlicher), der Mensch ist zur Unsterblichkeit berufen und soll sich hienieden auf seinen Hintritt vor Gott vorbereiten. „Der Schlußsatz enthält alles: Fürchte Gott und halte seine Gebote, denn das ist die ganze Aufgabe des Menschen. Denn Gott wird alle Werke vor Gericht bringen, jede verborgene That, sie sei gut oder böse." (Kohel. 12, 13. 15.) So ist einerseits der gläubige Israelit kein bedauernswertes, verlassenes, vom blinden Zufall in dieses Jannnerthal geschleudertes Wesen, sondern hat einen Vater im Himmel. „Kinder seid ihr des Ewigen, eures Gottes" (5 B M. 14, 1). Dieser Vater ist gütig, und die Beschwerden dieses Lebens werden mit seiner Hilfe überwunden. „Gepriesen sei der Herr täglich! Gott legt uns Lasten auf, aber er hilft uns auch," (Ps. 68, 20). Und Leiden und Trübsal können aus demselben Grunde nichts wirklich Böses sein; sie sollen uns nur vor Uebermut bewahren, uns zur Einkehr in uns veranlassen, uns also erziehen und läutern, aber nicht unser Dasein verbittern. Das lehrt Moses im 5. B. 8, 5: „So erkenne denn in deinem Herzen, daß der Ewige, dein Gott, dich zurechtweist, wie ein Mann seinen Sohn zurechtweist." Darum sagt auch König Salomo (Spr. 3, 11): „Die Zucht des Herrn, mein Sohn, verachte nicht, und seine Strafe verdrieße dich nicht. Denn der Herr straft, wen er liebet, und wie ein Vater den Sohn, dem er wohl will." Daher das bekannte Wort unserer Vorfahren bei irgend welchen Widerwärtigkeiten des Lebens: „Garn su letowu! Auch das zum Heile!" Und andrerseits! Glauben wir an Gott und die höhere Bestimmung des Menschen, so können wir in dem Irdischen allein keine volle Befriedigung finden; und die irdischen Güter können uns nur als Mittel, nienials als Zweck erscheinen. Wir werden sie daher wohl zu erwerben suchen, aber uns von ihnen nicht beherrschen lassen; wir werden somit von Genußsucht und Habgier, wie von jeglichem Unrecht gleich weit entfernt bleiben. Aber auch der Besitz dieser Güter soll uns nicht stolz und übermütig machen, sie sind ja nur geliehen (vergl. 1. Ehr. 29, 14); er kann uns also auch diejenige Demut nicht rauben, die sich im Danke gegen Gott, wie in der Liebe und Gerechtigkeit gegen Mitmenschen äußert (Micha 6, 8). Und so schafft uns dieser Glaube das höchste Glück auf Erden: die Zufriedenheit. Daher ist das Wort des Propheten Habakuk (2, 4) eben so erhaben, wie treffend: „Siehe, wer vermessen ist, hat keine Ruhe in seiner Seele; aber der Fromme lebt in seinem Glauben."

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