Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1889)
- Date
- 1889-07-01
- Page
- Seite 163 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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163 Juden seien eine fremde Rasse, sei nicht stichhaltig, denn die Juden redeten dieselbe Sprache, athmeten dieselbe Luft, stünden unter denselben Gesetzen wie alle anderen Staatsbürger. Herr Or. König, der Antisemitenführer, hat nichts Erhebliches dagegen vorzubringen vermocht und wurde auf der Straße mit Pfeifen und Schmährufen empfangen. — Herr Köckel sagte jüngst in einer Antisemiten- Versammlung in Kerlin: „Die Börse darf nicht länger ein Gebäude sein, in dem eine" Schaar Halbwahnsinniger, von der Sucht nach Reichtum getriebener Juden hxrumtobt". Herr Böckel hat nach den über ihn bekannten Vorgängen das moralische Recht eingebüßt, derartige Urteile anszusprechen. — Der Verleger des „Bayerischen Vaterland" Herr vr. jur. Sigl zu München wurde in zweiter Instanz wegen Veröffentlichung eines antisemitischen Spottgedichts zu 40 Mark Geldbuße verurteilt. — Der Redakteur des „Chemnitzer Tageblattes", Herr Dr. Ackermann, ein Antisemit, wurde wegen Betrug zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. — In Wien starb Herr Baron Ignatz Kolisch, berühmt als einer der bedeutendsten Schachspieler. In den letzten Jahren war er Herausgeber der „Wiener Allgemeinen Zeitung" in der die Interessen des Judentums in eifrigster Weise gewahrt und verteidigt wurden. — In Stampfen starb am 10 April der pensionierte Ortspfarrer, Herr Uicolaus Keoretsch. Er war sehr wohlthätig gegen Christen und Juden und gründete auf eigene Kosten eili Gemeinde-Hospital, in welchem Kranke ohne Unterschied der Konfession Aufnahme finden. — Am 14. Mai starb unser Mitarbeiter, Herr Kreisrabbiner I. Mesner in Uachod, durch eine Abhandlung über den jerusalemischen Talmud und durch andere wertvolle litterarische Arbeiten in weiten Kreisen bekannt. — Der Großgrundbesitzer Herr Albert Dub, welcher seinerzeit den Baugrund für die Gersthofer Pfarrkirche spendete, hat für den Kirchbauverein in Gersthof einen gutsituirten Platz für den Bau eines Pfarrhofes um 5280 fl. erworben und dem Vereine zum Geschenke gemacht. Die Schenkungsurkunde wurde dem Präsidium am 28. April bei Gelegenheit der vierten ordentlichen Generalversammlung, der auch der Cardinal Fürsterzbischof Dr. Ganglbauer beiwohnte, übergeben. — Herr Prof. Julius König in Kudapeft wurde zum Mitglieds der Ungarischen Akademie der Wissenschaften ernannt. — Der katholische Priester, Herr Komlossy, gab gelegentlich der Budgetberatung im ungarischen Abgeordnetenhause antisemitische Geschmacklosigkeiten zum Besten. Minister Daroß erklärte, unter Zustimmung des ganzen Hauses, als Katholik erhebe er Einspruch gegen die Taktlosigkeit Komlossys, tadelte dessen Auftreten, das für einen katholischen Priester unpassend sei, und verwahrte sich gegen ein solches Vorgehe», damit man nicht glaube, daß die Regierung es billige. Auch der Präsident rügte Konilossys Verhalten. — Die Antisemiten brachten im Gesterreichischen Reichsrate den Antrag ein: die Regierung wird aufgefordert, in kürzester Zeit eine wissenschaftliche Untersuchungs- Kommission einzusetzen, welche die sogenannten national-religiösen Schriften der Juden zu übersetzen und darüber einen Bericht zu erstatten hat, welcher dem hohen Hause vorzulegen ist. Dieser Antrag erhielt keine Unterstützung. — Die Polizei-Direktion in Wien hat eine von den antisemitischen Gemeinderäten für den 19. Mai einberufene allgemeine Wählerversammlung verboten. — Am 11. April erschien beim Kultusminister Grafen Alb. Esaby in Hudapest eine Deputation ungarischer orthodoxer Juden unter Führung des Rabbiners von Papa, Herrn vr. Salomon Sreuer, wegen Zurücknahme des Erlasses von weiland Kultusminister Grefort, die jüdischen Kultusgemeinden betreffend. — In St. Pölten hielten auf dem deutsch-liberalen Parteitage die Herrn vi. Kopp und vr. Weit- 14*