Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1889)
- Date
- 1889-07-01
- Page
- Seite 162 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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162 Arbeiten gefunden hat. Daß auch die christlichen Mitbürger in großer Zahl zu diesem Tage ihrer Sympathie für den Gefeierten in wärmster Weise Ausdruck gaben, konstatieren wir hier mit besonderer Genugthuung. Mannheimer hat sich durch die Veröffentlichung eines alten auf der Darmstädter Hofbibliothek aufgefundenen Manuskriptes über die Judenverfolgung zur Zeit des ersten Kreuzzugs ein besonderes Verdienst um die Kenntnis der jüdischen Geschichte erworben. Von seinen übrigen Schriften erwähnen wir noch: „Lehrbuch der jüdischen Religion", „das Gebetbuch und der Religionsunterricht". Ueber letzteres äußerte sich der berühmte Theologe Kruno Kauer höchst anerkennend. — Herrn Rabbiner Ilr. Schwarz in Earlsruhe wurde von Sr. Hoheit dem Großherzoge das Ritterkreuz I. Klasse verliehen. — Im Lehrerverein zu Marienburg hielt Herr Rabbiner Dr. Enoch einen Vortrag über „Johann Reuchlin und der Talmud". Solche Vorträge tragen viel dazu bei, Vorurteile über den Talmud in christlichen Kreisen zu zerstören. — Der Verband zur Erziehung israel. Waisen in Kreslau will das Feld seiner segensreichen Thätigkeit auf solche Kinder ausdehnen, die in Waisenhäusern keine Aufnahme finden können, aber doch eben so arm und hilflos wie diese dastehen, wenn ihre Ernährer durch Krankheit oder andere Umstände verhindert sind, für sie zu sorgen. Wir wünschen diesem Humanitären Streben Teilnahme und Förderung in den weitesten Kreisen. — In Aschakfenburg wurde der Bau einer neuen Synagoge beschlossen. — In Lissa wurde ein neuerbautes israelitisches Schulhaus eingeweiht. — Herr Provinzialschulrat, Geh. Regierungsrat Dr. Arnr, hob am 27. April bei Gelegenheit der Einweihung des städtischen Progymnasiums in Herent beim Festessen mit besonderem Nachdrucke hervor, daß in der Schule kein Raum für konfessionelle Unterschiede sein dürfe und daß die Lehrer den Schülern mit dem Beispiele edler Menschenliebe und Humanität vorangehen müssen. — In Dresden starb am 8. Mai Frau Hermine Lehmann, die biedere Gattin unseres geschätzten Mitarbeiters, Herrn Rechtsanwalt Dr. Emil Lehmann. Im Jahre 1858 wurde der Heimgegangenen zu Ehren der „Herminen-Verein" gegründet, der arme Kinder mit Milchspenden versorgt. Sie >var eine Wohlthäterin der Armen und nahm an edlen Bestrebungen stets regen Anteil. — Die Prinzessin Friederike von Lippe besuchte jüngst in Begleitung einer Hofdame und des Pastors Gheobald die Synagoge in Lemgo (Lippe). Die hohe Dame zeigte besonderes Interesse für die Thorarollen, aus deren einer der Prediger Saphra ihr ein Stück vorlesen und übersetzen mußte. — Die vom „Deutsch-Israel. Gemeinde-Bund" veranstaltete Sammlung zur Besoldung des Religionsunterrichts in kleinen unvermögenden Gemeinden hat beinahe 12,000 Mark ergeben. — Die Friedrich-Wilhelm- Viktoria-Stiftung zu Kerlin erhielt im 1. Quartal von der Lebenversicherungsgesellschaft „Viktoria" 6117,40 Mark, den höchsten bis jetzt gezahlten Zuschuß. — In Pforzheim wurde ein Platz zum Bau einer neuen Synagoge angekauft. — Die für den jüdischen Knltus in Elsaß im Etat ausgesetzten Ausgaben mit Mk. 161,300 wurden von dem Landesausschuß genehmigt. — Am 6. Mai fand in Dortmund eine von der sozialdemokratischen Partei veranstaltete Volksversammlung statt, in der Herr Mesch sich gegen den Antisemitismus aussprach. Er sagte unter Anderem: Wenn die Antisemiten alle Mißstände auf die Juden abzuleiten suchten, so sei das keineswegs christlich und man stehe nicht, wie man behaupte, auf dem Boden des Christentums, sondern auf dem Boden des Egoismus. Wenn man gegen die Israeliten als Ausbeuter auftrete, so müßte dies in gleicher Weise gegen das Großkapital geschehen. Auch der Einwand, die