Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1889)
- Date
- 1889-07-01
- Page
- Seite 164 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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164 lof Reden gegen den Antisemitismus. — In der Gedenkrede, welche Herr Direktor Keleti im Aufträge der Ungarischen Akademie in Kudapest dem Heimgegangenen Präsidenten Minister Uefort hielt, wurde auch die durch ihn ins Leben gerufene Landes-Rabbinerschule als ein großes kulturhistorisches Verdienst hervorgehoben. — In Znaim kam es zu einem großen Volksauflaufe, herbeigeführt durch ein von Bösewichtern ausgesprengtes Gerücht, ein jüdischer Kaufmann hätte eine jnnge christliche Bäuerin in den Keller gelockt „um ihr Blut abzuzapfen". Die Behörde sucht nach den Hetzern, um sie der verdienten Strafe zuzuführen. — Es ist uns zugegangen eine Brochüre „Professor Konrad Beyer's Lehre vom deutschen Versbau und Heinrich Heine's Stellung innerhalb derselben. Von Hermann Schärf, Quästor der k. k. Frauz-Josefs-Universität Ezernowih. (H. Pardini's k. k. Universitäts-Buchhandlung, 1889.) I» derselben heißt es Seite 18: Heute darf ein Jeder rühmend nachsprechen, daß in Heine's Dichtungen instinktiv der unsterbliche, urgermanische Sprachgeist auflebt und waltet, und daß durch ihn allein unsere Sprache nach tausendjähriger Irrfahrt in der Fremde heimzu kehrt ist zum rhythmischen Gesetze des altgernianischen epischen Verses. — Herr Adolf Frank, Mitglied des Instituts in jjnris, ist einstimmig zum Präsidenten der Liga gegen den Atheisnius erwählt worden. — Abbv Frvmont hat in Paris in seinen Fastenpredigten wiederholt erniahut, dem Dünkel zu entsagen, der ohne irgendwelche triftige Gründe die Arier als eine bevorzugte und die' Semiten als eine von Natur tiefstehende Rasse hinstellt. In hinreißender Rede schilderte er die hohen und allgemein anerkannten Vorzüge des mosaischen Moralgesetzes, daran erinnernd, daß das Christentum ihm den Dekalog entnahm. „Die angebliche Ueberlegenheit", sagte er unter anderem, „besteht nur in der krankhaften Phantasie einiger Hetzer, die weder das Judentum, noch das Christentum leiden mögen. Sie zerren Alles in den Stanb, sie werfen, um Euch in die Netze zu locken, mit Daten und Ziffern um sich, welche einen thatsächlichen Hintergrund nicht haben; sie beschimpfen die Propheten, die für jeden Christen Jdealgestalten sein sollen, sie leugnen das alte Testament, um das neue umzustoßen. Liebet Euren Nächsten! Dieses heiligste aller Gebote schließt jeden Haß aus; in diesem herrlichen Gebote liegt die Verurteilung des Antisemitismus vom christlichen Standpunkte." — In der großen Synagoge in der Rue de la Victoire zu Paris fand zur Erinnerung an das Centennarium der französischen Revolution ein feierlicher Gottesdienst statt. Herr Großrabbiner Iador Kahn, der auch in einem Rundschreiben an alle jüdischen Gemeinden in Frankreich, in welchen am 11. Mai feierlicher Gottesdienst gehalten wurde, die deukwürdigen Ereignisse zugleich als den Ausgangspunkt einer glücklichen Umgestaltung in der Geschichte der Juden bezeichnete, hielt die Festrede. — In der Synagoge der Pariser portugiesischen Judengemeinde wird dem „Temps" zufolge demnächst eine Gedenktafel mit den Namen der Volksvertreter angebracht werden, welche in der ersten französischen Nationalversammlung die Gleichstellung der Juden vertraten. Zu ihnen gehörten u. A. der Abbe Grrgoirr, de Svze (der Vertheidiger Ludwigs XIV.), Mirabeau und Duporl. — Herr Gfiris, Mitglied der portugiesischen Synagoge in Paris, hat zur Erinnerung an das Centennarium der französischen Revolution 100,000 Franks für das von den Preisrichtern anerkannte beste Werk auf dem Gebiete der Kunst oder der Industrie bestimmt. — Bei der feierlichen Eröffnung der Pariser Ausstellung wurde dem Großrabbiner Iador Kahn ein Sitz neben deck Bischof von Paris und neben dem protestantischen Bischof angewiesen. — Aus Anlaß der Eröffnung der Pariser Weltausstellung hat der Präsident Earnot