Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1889)
- Date
- 1889-07-01
- Page
- Seite 161 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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161 auch die Gemeinden müßten auf erstere mehr Wert legen als auf letztere, denn wie Herr Coblenz sehr richtig hervorhebt: Wenn ein Lehrer beim Gottesdienste weniger hinreißend singt, so hat kein Mensch einen Schaden davon; ist er aber ein schlechter Jugenderzieher, dann bildet er ein Geschlecht heran, welches geistig verkrüppelt ist, das den Anforderungen, die das Judentum und das Leben überhaupt an sie stellt, nicht genügen kann. Als zu erzielende Aufgabe nach dieser Richtung hin stellt Herr Coblenz mit Recht de». Satz auf: Trennung des Kantorats von dem Lehramte. Daß das Schach tamt vom Lehramt getrennt werden müsse, ist selbstverständlich, denn dieser Dienst ist einmal mit der Würde eines Jugenderziehers durchaus unvereinbar. Es wird in diesem Vortrage auch über die Stellung des Lehrers zum Rabbiner und zum Vorstande gesprochen. Die soziale Stellung des Lehrers anlangend, so erscheint dieselbe recht- und schutzlos gegenüber den Gemeinden, sorgenvoll durch die allzukärgliche Besoldung, niederdrückend durch die schwere Sorge um die Sicherstellung der Hinterbliebenen. Hier ist als dringende unabweisliche Forderung festzuhalten, definitive Anstellung des Lehrers und Aufhören jenes Verhältnisses, das es ermöglicht, ben Lehrer nach Gutdünken vor die Thüre zu setzen. Ist einmal dieser Punkt geregelt, dann werden die Lehrer einen festen sicheren Halt haben und sich schon nicht durch entwürdigende Nebenverdienste ihr Auskommen beschaffen. Die Seminarien werden ermahnt, bei der Aufnahme von Zöglingen rigoroser vorzugehen und sollten diese nicht im Internat sondern in Familien leben, mindestens sollte das für die Seminaristen im letzten Jahre eingeführt sein. Besonders müßten reiche Glaubensgenossen und bie- Gemeinden Stipendien zu diesem Zwecke aussetzen, damit die zukünftigen Lehrer in der Lage sind, in Familien nntergebracht zu werden. Auch sollte dem modernen fremdsprachlichen Unterrichte inehr Aufmerksamkeit zugewendet werden, denn die Kenntnis fremder Sprachen verschafft dem Lehrer Nebenverdienste und bringt ihn in persönliche Beziehungen zu Gesellschaftskreisen, die wieder auf seine soziale Stellung wohlthätig zurückwirken. Zum Schluffe wird in einem Kapitel überschrieben „die Presse und Lehrerstand" beklagt, daß die besseren Zeitungsorgane zu geringe Verbreitung haben, während die Journale, welche auf die trüben Volksleidenschaften spekulieren und sich zu Organen des blinden Fanatisinus machen, besser fortkommen. Es sollen aus dem jüdischen Lehrerstande verbannt sein alle Zeitungen, welche der Devise für Wahrheit, Recht und Freude nicht immer treu bleiben oder gar feindlich gegen den jüdischen Lehrerstand auftreten. Wir schließen dieses Referat und stimmen mit ein in den Schlußsatz des äußerst interessanten Vortrages, den wir besonders den Gemeindevorstäuden zur Lektüre und Darnachhaltung aufs angelegentlichste empfehlen: „Hebilng und Festigung des Lehrerstandes bedeutet Hebung und Festigung des gesamten Judentums". Wonalsfchau. Man schreibt uns: Am 11. Mai begieng unser geschätzter Mitarbeiter Herr M. Mannheimer in Darmstadt xmter Teilnahme weiter Kreise seinen 80. Geburtstag in seltener Frische. Deputationen des Vorstandes der israel. Gemeinde sowie ehemaliger Schüler, zahlreiche Glückwunschschreiben und die Berichte der Tagespreffe zeigten die große Anerkennung, die der Gelehrte durch seine zahlreichen 14