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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-07-01 · Heft 7 (1.7.1889) · p. Seite 160

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 7 (1.7.1889)
Date
1889-07-01
Page
Seite 160 (sequence 16)
Language
German
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- 160 — Denn die Wohlthätigkeit ist gewissermaßen eine Abschlagsumme die der Arme von dem Reichen erhält, dafür daß dieser einige Zeit Vermögen besitzt; zahlt er diese Summe nicht, so läßt Gott die Rollen wechseln und der Reiche wird Arm, der Arme reich.x) Geschieht die Umwandlung nicht sofort, so verliert der Reiche zum mindesten eine solche Summe, die er als Almosen für die Armen hätte verwenden sollen, als Strafe bei den Behörden und Zolleinnehmern.2) Die Unterlassung der Wohlthaten hat den Mangel an Regen und allgemeine Not zur Folge.3) Pie berufliche und soziale Stellung des jüdischen Lehrers. Unter diesem Titel ist jüngst von Herrn Felix Coblenz ein Vortrag erschienen,* *) in welchem diese Frage auf Grund einer reichen Erfahrung nach den verschiedensten Richtungen hin behandelt wird. Es verdienen die Ansichten des Verfassers, der für dieseeminent wichtige Lebensfrage des Judentums ein reiches Verständnis bekundet, in weitern Kreisen bekannt zu werden. Nach einer kurzen Einleitung, in welcher der Unterschied zwischen dem jüdischen Lehrer und seinem christlichen Kollegen treffend in dem Satze „Mehr Pflichten weniger Rechte" zusammengefaßt wird, spricht sich der Verfasser zunächst über Religionsschulen und Lehrer aus. Er spricht sich gegen die Religionsschulen aus, weil der Unterricht.» in der Religion, der in der Jugenderziehung obenan stehen soll, dadurch sogar bei den Glaubensgenossen als etwas- Nebensächlich«» angesehen wird. Es wird dadurch, daß der Religion unterrichtende Lehrer auch den profanen Unterricht erteilt, seine durch ,die Regierung garantierte Stellung eine sichere und seine Wirksamkeit dadurch eine nngebrochene und freudige. In dem Abschnitte „der Lehrer als Prediger", meint der Verfasser, daß die an den Lehrer gerichtete Forderung, in den Synagogen zu predigen und bei Trauungen und Sterbefällen und sonst zu funktionieren, ihn mit Stolz erfüllen müßte, wenn auch mit dieser größeren Würde eine entsprechende Bürde verbunden wäre. Mit Recht wird hervorgehoben, daß die Lehramtskandidaten schon in den Seminarien nach dieser Richtung hin vorgebildet werden müssen. Es wird hingegen die aus diesem Dienste bei den Lehrern oft entspringende Eitelkeit, auch sich Prediger nennen zu dürfen, gegeißelt. Der Lehrer soll nur den Rabbiner, der nun einmal nicht überall hinkommen kann, vertreten. Was nun die Stellung des Lehrers als Kantor anlangt, so ist es klar, daß eine Vereinigung beider Aemter entweder eine Vernachlässigung der einen oder anderen Berufsseite oder eine bedenkliche gesundheitsschädliche Ueberbürdung der Beamten zur Folge hat. Ist die Auseinanderhaltung dieser Aemter, wie die Verhältnisse nun einmal liegen, nicht leicht durchzuführen, so muß auf den Seminarien wenigstens dafür Sorge getroffen sein, daß die Candidaten im Kantorfache ausgebildet und besonders mit den üblichen Bräuchen vertraut gemacht werden, denn giebt sich der Lehrer nach dieser Richtung hin eine Blöße, so ist gerade auf dem Lande der Unwissende, der diese Dinge gewöhnlich gut inne hat, sehr geneigt, ihm hart zuzusehen. Allerdings mutz in den Seminarien mehr auf die Lehrfähigkeit als auf die Sangfähigkeit hingearbeitet werden, aber ') Teumra 16. *) Succah 29, Midr. Gen. r, c. 1. ’) Taanit 8. *) Siegen 1888, Verlag von Hermann Montanus.

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