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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-07-01 · Heft 7 (1.7.1889) · p. Seite 159

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 7 (1.7.1889)
Date
1889-07-01
Page
Seite 159 (sequence 15)
Language
German
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159 Sieht der Mensch, daß sein Lebensunterhalt, seine Einnahmen knapp werden, so spende er Almosen davon. *) Wem die Wohlthätigkeit zum Bedürfnis geworden, dem gewährt Gott auch die Mittel dazu. 2) Ueberhaupt was der Mensch den Armen thut, das hilft ihm selber bei Gott. 3 > König Monobaz aus Adiabene, der sich zum Judentume bekehrt hatte, verteilte einst in einer Hungersnot alle seine Güter den Armen. Da ließen die königlichen Verwandten ihm sagen: Deine Väter vermehrten die Schätze ihrer Väter und Großväter, du aber beraubest deine eigenen und die deiner Väter. Er antwortete ihnen: Meine Väter legten Schätze auf Erden an, ich aber im Himmel; denn es heißt: Wohlthätigkeit schauet vom Himmel herab. Meine Väter speicherten Schätze auf, die keine Früchte tragen, denn es heißt: Saget dem Wohlthätigen, daß er glücklich ist, denn die Frucht seiner Thaten genießt er. Meine Väter bewahrten die Schätze, da wo sie von Menschenhänden geraubt werden können, ich aber an einem solchen Orte, wohin eine Menschenhand nicht reicht, denn es heißt: Wohlthun und Gerechtigkeit sind die Stützen deines (Gottes) Thrones. Meine Väter sammelten Geld, ich Menschenleben, denn es heißt: Wer Menschen erhält, ist weise. Die Väter legten für andere, ich für mich zurück, es heißt: Dir gehört die Wohlthätigkeit. Die Väter hatten die Schätze nur für diese, ich auch für jene Welt, denn es heitzt: Wohlthätigkeit rettet vom Tode, nämlich vom ewigen.4) Je mehr der Mensch von seinem Vermögen der Wohlthätigkeit zuwendet, desto reicher wird er.3) Will er seine Kinder in Zukunft reich haben, mit Weisheit begabt, als Redner beliebt, so übe er Wohlthätigkeit.3) So hohes Verdienst die Wohlthätigkeit ist, so schweres Vergehen ist die Unterlassung dieser edeln Thätigkeit, der Mangel an Ausübung der Milde. Nahum der fromme Mann, der sich durch sein unerschütterliches Gottvertrauen das Wort angewöhnt hatte: „Auch das ist zum Guten", welches er für alles, was ihm widerfuhr, und wäre es das schlechteste gewesen, gebrauchte, litt an einem schrecklichen Siechtume und betrachtete es als Strafe seiner eigenen Schuld. Eines Tages, so erzählte er seinen Schülern, befand ich mich auf der Reise zu meinem Schwiegervater und führte mit mir drei Esel, beladen mit Speise, Trank und allerlei Leckerbissen. Ein Armer trat mir in den Weg mit der Bitte, ihm etwas Nahrung zu reichen. Warte nur ein wenig bis ich von dem Esel abgeladen habe. Kaum hatte ich abgeladen, da hauchte der Arme sein Leben aus. In meinem Schmerze warf ich mich auf sein Angesicht und rief: Meine Augen, die nicht deiner Augen schonten, mögen erblinden, die Hände erlahmen, die Füße verkrümmt werden, und ich konnte mich nicht früher beruhigen, bis ich meinen ganzen Körper verfluchte, daß er voll von Aussatz werde". Wehe, daß wir dich in diesem Zustande sehen müssen, riefen die Schüler. Wehe wäre mir, entgegnete er, wenn ihr mich in diesem Zustande nicht sehen würdet.7) Nikodemon ben Gorion war so reich, daß er seiner Tochter 100000 Goldgulden zur Anssteuer gab. und auf dem Wege von seiner Wohnung zum Lehrhause ließ er seidene Teppiche legen und gestattete den Armen sie zu nehmen, sobald er darüber geschritten war, und dennoch mußte seine Tochter zu ihrem Lebensunterhalte aus den Excreuienten der Pferde die noch unverdauten Getreidekörner auflesen, und dieses schwere Verhängnis schrieb man dem Umstande zu, daß er Wohlthätigkeit nicht geübt hätte, wie er es nach seinen Verhältnissen hätte üben können und sollen.ö) ') Gittin 7. ') B. batia 9. 3) M. Exod. r. c. 31. «> Zer. Pea c. I. °) Jalk. Mischte II, 24. 6) Tr. Kala; B. batra 9. 7] Taanit 21. s) Kethub. 67.

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