Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1889)
- Date
- 1889-07-01
- Page
- Seite 157 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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15? einzelnen ihrer Lehren zustimmte und Beifall zollte (s. oben zu 3, 17). R. Jochanan nun, der Schüler des R. Josua b. Chanauja, welcher den Lehren des R. Elieser ganz entgegen gewesen (vgl. Rosenthal, a. a. O. S 60), scheint in seinem Spruche solchen Umgang und solchen Beifall fremder Lehren als eine Entweihung des göttlichen Namens zu geißeln und vor ihren Folgen, der öffentlichen Anklage und Bestrafung zu warnen. Pie sociale Irage im Judentum. Von vr. Adolf Kurrein, Rabbiner und Prediger in Teplitz Der fromme Benjamin war Vorsteher der Armenkasse. Eines Tages kam eine Witwe mit der Bitte um Unterstützung. Bei Gott, sprach der Vorsteher, es befindet sich nicht das geringste in der Kasse. Gibst du mir nichts, sprach die Witwe, so hast du heute noch eine Frau mit ihren sieben Kindern getötet. Hierauf gab er ihr aus eigenem nach Bedarf. Nach einiger Zeit erkrankte Benjamin lebensgefährlich. Die Engel des Herrn traten nun vor Gott hin und sprachen. Ist es nicht ein Wort Deiner Lehre: Wer nur ein Leben gerettet, hat so viel gethan, als hätte er eine ganze Welt gerettet, und dieser Benjamin hat eine Frau mit ihren sieben Kindern einige Jahre erhalten, sollte der nicht jetzt auch der Lebensgefahr entrissen werden? Den Bitten der Engel nachgebend, schenkte Gott diesem Benjamin noch 22 Jahre.x) Wohlthätigkeit rettet nicht nur vom zeitlichen, sondern auch vom ewigen Tode, denn die Auferstehung der Toten erfolgt einst nur als Folge und Belohnung der menschlichen Wohlthätigkeit, wie dies angedeutet im Leben des Propheten Eliahu's, welcher der freundlichen Witwe, die ihn in ihr Haus ausgenommen hatte, das tote Kind wieder in's Leben zurückrief. Ebenso ließ Elisa seiner gütigen Wirtin, das durch Sonnenstich getroffene Kind wieder zu neuem Leben erstehen; und weckte sein Grab zum neuen Leben den berühmten Wohlthäter seiner Zeit Saluin ben Tikrah. Dieser war von ausgezeichneter unermüdlicher Wohlthätigkeit, Er füllte Wasserschläuche und setzte sich damit an den Eingang der Stadt. Jedem Wanderer, der müde und durstig des Weges kam, reichte er einen frischen Trunk zur Labung. In Folge dieser seiner Güte ruhte der Geist Gottes auf seiner Frau und sie ward eine Prophetin, die berühmte Hulda. Als ihr Gatte starb und der Mangel seiner Wohlthaten alsbald sich fühlbar machte, kam ganz Israel, um aus Dankbarkeit ihm die letzte Ehre zu erweisen. Auf dem Wege wurde der Zug von einem feindlichen Ueberfall überrascht und man warf den Mann in das Grab Elisa's; da kam der Mann und berührte die Gebeine Elisa's und lebte auf und erhob sich auf seinen Beinen (2. Kön- 13, 21).2) Die Wohlthätigkeit in somit im Geiste des Judentums die Lebenskraft des Einzelnen und der Hesammten Menschheit. Sie ist auch der Herzschlag und das Leben eines jeden Volkes und Staates, ohne diese stirbt das Volk, geht der Staat zu Grunde und durch diese ersteht er wieder aus dein Tode. Jerusalem kann nur von seinem Verhängnis durch Wohlthätigkeit befreit werden; denn Zion wird durch Recht erlöst und seine Wiederkehrenden durch Wohlthätigkeit" (Jes. 1, 27).») >) Koh. Jalkut zu St. ») Pirke d. R. Elies. 33. 3) Sabbat 139.