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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-07-01 · Heft 7 (1.7.1889) · p. Seite 156

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 7 (1.7.1889)
Date
1889-07-01
Page
Seite 156 (sequence 12)
Language
German
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156 Lob zu singen. Wenn auch Gamliel der Nassi ist, so sollte er doch nicht gegen R. Josua, welcher im Rechte war, mit Strenge Vorgehen, sondern von ihm lernen, denn klug ist, wer von Jedem lernt, und ein Held ist, wer den Herrschaftstrieb bezwingt. Diese Eigenschaften besitzt R. Josua, der sich wiederholt dem Nassi unterwarf. Aber auch reich und geehrt ist er, da er von dem Handwerk sich und seine Familie ernährt und dabei frohen Sinnes ist, und da er nach Hillels Art die Menschen liebt, die Weisen ehrt und in Bescheidenheit und Demut mit Jedem verkehrt. (Grätz, a. a. O. 4, 56. M. Ber. r. 70. jer. Chag. 2, 1, vgl. oben zu 3, 17). 2. „Ben Asai sagt: Eile zur Ausübung (selbst) eines geringen Gebotes und fliehe vor dem Vergehen, denn eine Uebung zieht die andere nach sich, wie ein Vergehen das andere, und der Lohn der einen Uebung ist eine andere Uebung, wie der Lohn eines Vergehens ein anderes ist". 3. „Er Pflegte zu sagen: Verachte keinen Menschen und halte nichts für unmöglich, denn es gibt keinen Menschen, der nicht seine Stunde, und es gibt kein Wort, das nicht seinen Ort hätte." Wenn es wahr ist und zutrifft, was Weish. (a. a. O. 2, 142) über die Ursachen der Entfremdung des Elischa ben Abuja vom Judentunie ausführt, daß diese nämlich durch R- Akiba's herrschende und ihn bekämpfende Lehrweise entstanden sei, so durfte wohl dieser Spruch eines jüngeren Zeitgenossen, des scharfsinnigen Ben Asai, (welcher in gleicher Weise wie der an Jahren ältere Ben-Soma nur deshalb nach des Vaters Namen genannt wird, weil er jung an Jahren gestorben ist, bevor er noch die Würde des „Rabbi" erlangt hat), sowie der vorhergehende diesen historischen Hintergrund haben. Denn in der That eilte Elischa, der von der Schule Akiba's bekämpfte und verschmähte Lehrer, von einem Vergehen zum anderen, von der Beschäftigung mit der minäischen Lehre und der Gnosis zur Entweihung religionsgesetzlicher Gebote, und er fand auch einen „Zeitpunkt", um sich wegen der Gehässigkeit, die man gegen ihn zeigte, zu rächen, als er zur Zeit der Hadrianischen Verfolgungen den Römern — wie es heißt — gewisse Ratschläge gegen die Juden erteilt hat. 4 a. „Rabbi Levitas aus Jabne sagt: Sei überaus demütig, denn die Hoffnung des Sterblichen ist — Gewürm". Welcher Zeit der Verfasser dieses Spruches angehört, kann nicht mit Bestimmtheit gesagt werden, aber aus dem Platze, der ihm hier zwischen Ben- Asai und R. Jochanan b. Beroka angewiesen ist, darf wohl mit Recht vermutet werden, daß er zu ihrer Zeit, also in den Tagen R. Gamliel's II. und R. Akiba's gelebt hat. Dann aber ist vielleicht seine Sentens gegen Gamliels herrisches und strenges Verfahren mit seinen Kollegen, besonders mit R. Josua gerichtet (vgl. oben zu 3, 10 a 17. 4, 1). 4 b. „Rabbi Jochanan, der Sohn des Beroka, sagt: Wer den Namen Gottes im Geheimen entweiht, den bestraft man öffentlich, sei es daß er irrtümlich oder vorsätzlich den göttlichen Namen entweiht". Unter den Kaisern Domitian und Trajan ergriff bereits die Römer Angst und Schrecken vor dem „Umsichgreifen" der „neuen" Lehre, welche das römische Heidentum bedrohte (s. oben zu 2, 10). Man ordnete daher strenge Maßregeln an, sodaß ein Jeder schon auf den bloßen Verdacht hin vor Gericht geschleppt, als Anhänger der neuen Lehre angeklagt und zur Todesstrafe verurteilt werden konnte. In eine solche Anklage und öffentlichen Skandal geriet auch R. Elieser b. Hyrkan, weil er mit Judenchristen verkehrte und sogar

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