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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-07-01 · Heft 7 (1.7.1889) · p. Seite 155

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 7 (1.7.1889)
Date
1889-07-01
Page
Seite 155 (sequence 11)
Language
German
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155 und R. Josua, welcher noch höher gestellt wird als jener- R. Elieser, die Cisterne, welche keinen Tropfen verliert, die Verkörperung der Tradition, ist der Baum, welchen der anstttrmende Wind entwurzelt. Nachdem er in Folge seines starren Widerstandes von seinem eigenen Schwager Gamliel II. in den Bann gethan war, da ergab er sich in der Einsamkeit der Gnosis, huldigte er sogar einzelnen Lehren der Minäer, wie der Lehre von der Erbsünde und der Sündhaftigkeit des Menscheu, und pflegte einen Verkehr mit Minäern, sodaß er sich schließlich in eine Anklage verwickelte, von welcher er sich freilich gänzlich reinigte (Sanh. 101 kr, Tosefta Chulin 2, 24 vgl. oben zu 2, 10.) — R. Josua dagegen ist der Baum der allen Weltstürmeu trotzet. Bedeutend durch sein Wissen, aber noch ausgezeichneter durch seine Thatkraft, die sich des Oefteren bei seinen Rom- Reisen in Angelegenheiten der Glaubensgenossen bewährte, in deren Folge er unter Angerem sogar die Erlaubnis zum Wiederaufbau des Tempels zu Jerusalem vom Kaiser Trajan erwirkte, bekannt unter seinen Zeitgenossen als der „Baal Hammaaseh“, war er jederzeit die Stütze und der Trost seines Volkes (Berach. 27 b, Joel, a. a. O., 1, 24). 18. „Rabbi Elieser Chisma sagt: „Lehren über die Vögelopfnr und die Franenabsonderung, sie sind wesentliche Halachoth; Astronomie und Geometrie sind des Wissens Peripherie (Umgebung)". Zu den mannigfachen profamen Wissenschaften, welchen die Talmudlehrer oblagen, gehören auch die Geometrie und Astronomie, und bezüglich der letzteren konnte schon Epiphanius, der Bischof von Constantia auf Cypern (367 n. u. Z.) in seinem ersten Buche gegen die Häresien über ihre Fortschritte berichten (Opp. 1, 34 ed. Petav.). Wenn aber die Talmudlehrer die profanen Wissenschaften nicht verschmähten, so kam es ihnen doch nie in den Sinn, sie höher zu achten als das eigene Gesetzesstudium, zumal in den Tagen, in welchen es galt, nach dem Verluste des nationalen Staates die Befestigung des Judentums zu bewirken. Auch R. Elieser Chisma (M. Waj. rabba 23. B. m. 7, 5), welcher selbst mit rühmlichem Eifer geometrische und astronomische Wissenschaften betrieb, aber auch als Schüler R. Gamliel's II. und R. Josua's b. Chananja stets der Halachaforschung ergeben gewesen (Horaj. 10, Chag 3 b, vgl. Weiß., a. a. O. II 122), wollte mit seinem Ausspruche nichts weniger als etwa Spott gegen die Halacha bekunden (Geiger), sondern vielmehr verhüten und warnen, daß Andere ihm nachahmten, indem sie dabei das Gesetzesstudium vernachlässigten: darum betonte er jenen Wissenschaften gegenüber sogar die unbedeutenden Halachoth („Kinin") neben den wichtigeren der „Pische Nidda". 1. „Ben Soma sagt: Wer ist klug? Der, welcher von einem jeden Menschen lernt, denn es heißt (Ps. 119, 99): „Durch Alle, die mich belehrt haben, bin ich verständig geworden; denn deine Zeugnisse sind mein Sinnen". — Wer ist ein Held? Derjenige, welcher seinen Trieb bezwingt, denn es heißt (Spr. 16, 32): „Besser ist ein Langmütiger als ein Held, und wer sein Gemüt beherrscht als ein Stadteroberer". — Wer ist reich? Der, welcher sich mit seinem Teile freut, denn es heißt (Ps. 128, 2): „Genießest du deiner Hände Arbeit, — Heil dir und Wohl dir!" Heil dir in dieser Welt und Wohl dir in der zukünftigen Welt. — Wer ist geehrt? Der, welcher die Menschen ehrt, denn es heißt (1. Sam. 2, 30): „Denn meine Verehrer ehre ich, aber meine Verächter werden zu Schanden". Dieser Spruch scheint in der Zeit der Zerwürfnisse zwischen R. Gamliel II. und R. Josua b. Chananja (s. oben zu 3, 10 a) zu gehören und des Letzteren

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