Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1889)
- Date
- 1889-07-01
- Page
- Seite 153 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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153 Je mehr ihn wohl ehret ihr wohl werter Leib, Er, ein seliger Mann, dem die Güte sie bescheert." Wenn ich diesen kurzen Rückblick auf die altbiblische Litteratur schließe, — als deren letzten Hall, als „den Schwanensang des israelitischen Volkes" man den Prediger Salamonis und sein vieldeutiges Schlußwort: „Alles ist eitel" bezeichnet —, so möchte ich nur noch dreier Bibelstellen gedenken, in denen der ganze Gehalt des Judentums, wir könnten dafür getrost auch setzen, des Menschentums, der Weltreligion: die Humanität niedergelegt ist. Die Sprüche der Mter und ihre historischen Beziehungen. Von Rabbiner vr. S. Friedmann in Lublin itz.*) (Fortsetzung.) Dieser Lehrer, welcher durch sein Ansehen wie durch seine Wirksamkeit wohl den Barkochba-Aufstand unterstützt hat (jer. Rhaan. 4, 7, Sauh. 97 b, M Peß. 10, 6), mag mit dem letzten Worte, auf welches der ganze Spruch hinausläuft, dazu angeregt und ermuntert haben, die Vorbereitungen zu dem Aufstand in aller Ruhe, Schweigsamkeit und Stille zu treffen. 14. „Er pflegte zu sagen: Wert ist der Mensch, der im Ebenbilde Gottes erschaffen worden, ein besonderer Wert ist ihm verliehen worden, daß er im Ebenbilds Gottes erschaffen wurde, denn es heißt (Gen. 9. 6): „Denn im Ebenbilde Gottes hat Er den Menschen geschaffen". Wert ist Israel, welches „Kinder" genannt wird, ein besonderer Wert ist ihnen verliehen worden, daß sie Kinder Gottes genannt werden, denn es heißt (Deut. 14, 1): „Kinder seid ihr dem Ewigen, eurem Gotte". Wert ist Israel, denen ein Kleinod verliehen wurde, ein besonderer Wert ist ihnen verliehen worden, daß ihnen das Kleinod gegeben wurde, durch welches die Welt erschaffen ward, denn es heißt (Sp. 4, 2) „Denn eine gute Lehre habe ich euch gegeben, meine Thora verlasset nicht". Während das ursprüngliche Christentum sich vom Judentume hauptsächlich nur durch den Glauben an die Göttlichkeit Jesus und an seine Gottessohnschaft unterschied, dagegen am „Gesetz" festhielt, begann schon zur Zeit des Kaisers Trajan die Polemik auch gegen die Verbindlichkeit der mosaischen Lehre, sowie man sich bemühte, die vom römischen Kaiser den Juden erteilte Erlaubnis zum Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem rückgängig zu machen (vgl. Joöl, Bl. in d, Rel. 1, 14—41, 2, 89). Dieser Zeit gehört wohl der Spruch Akiba's an, dessen erstes Glied sich gegen die Göttlichkeit des Menschen; dessen zweites sich gegen die Gottessohnschaft des Einzelnen, und dessen drittes sich gegen die Lossagung vom Gesetze und der Lehre wendet. 15. „Alles ist vorhergesehen und die Freiheit ist doch gegeben; in Güte wird die Welt gerichtet und zwar nach der Fülle des Thuns". Dieser Spruch wendet sich — im Anschluß an den vorhergehenden — gegen die christliche Lehre von der Erbsünde in Folge von Adams Sündenfall und der Sündhaftigkeit des Menschen, sowie gegen die leere Versenkung in die Gnade. R. Akiba ist dafür, daß der Mensch die Fähigkeit und die Willensfr ei heit besitzt, sich von der Sünde frei zu erhalten, daß Gott für die be- *) Siehe Jahrgang VIII S. 185.