Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1889)
- Date
- 1889-07-01
- Page
- Seite 151 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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151 Jerusalem zerstört ist, als secher lechorban, eine Erinnerung wie sie ja auch die sonst üblich gewesene Zertrümmerung von kostbaren Gefäßen bei Trauungen erwecken sollte: so hat jener Psalm für uns, die — trotz alledem — glücklicheren Nachkommen nur eine ästhetische, künstlerische, eine geschichtliche Bedeutung, denn unsere Vaterlandsgefühle haben anderen Ursprung, anderen Inhalt und anderes Ziel — Deutschland. . Aber das kann uns nicht abhalten, gerade diesem Psalm einen hohen Wert beizulegen. Und welche Fülle von Innigkeit, Lebensweisheit und Beseeligung strömt uns aus anderen Psalmen entgegen. Welche reiche Zahl „geflügelter Worte" hat in ihnen, in den Sprüchen Salomonis, und in den anderen altbiblischen Schriften ihren Ursprung. „Siehe wie schön und wie lieblich ists, wenn Brüder in Eintracht zusammen wohnen," — der Psalmenvers ist das Urwort zu Schillers herrlichem Mahnruf: „Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern". Und desselben Dichters lieblicher Lobgesang auf die Würde der Frauen, er hat sein klassisches Vorbild in dem unvergänglichen Preis der escheth chajil der edlen thatkräftigen Hausfrau, wie sie am Schluß der Sprüche Salomonis (31, 10 ff) warm und lebensfrisch geschildert ist: Glücklich, Wem ein wackres Weib beschieden Höher ist denn Perleuschmuck ihr Wert. Ihre Hand verheißt dem Gatten Frieden, Sie beglückt, verschönt des Hauses Heerd. Gutes thut sie ihm durch's ganze Leben Böses wendet liebend sie ihm ab, Ihn erfreun, das ist ihr Sein und Streben, Glück zu spenden sorgt sie bis ins Grab. Wie des Kaufherrn Kiel, — aus weiter Ferne Holt sie Nahrung, gönnt sich keine Ruh, Sie ist wach — noch blinken nah die Sterne, Teilt den Mägden Kost und Arbeit zu Sät und pflüget auf des Feldes Fluren, Pflegt und zieht des Weinstocks Traubenglut, Und der Arbeit segensvolle Spuren Geben ihr zu neuem Schaffen Mut. Wie sie sieht der Früchte reiche Fülle Scheint auch nachts die Leucht' auf ihren Fleiß, Auf und nieder treibt die schnelle Spille. Und die Spindel dreht sie flott im Kreis. Freundlich stets den Leidenden und Armen, Speist und kleidet ihre niilde Hand, Frost bleibt fremd in ihrem Heim, deni warmen, Allen schuf sie köstliches Gewand. Ihren Mantel hat sie selbst gewoben, Byssus, Purpur ist ihr Festgewand, Denn ihr Gatte sitzt rm Rate droben Ist geehrt und angesehn im Land. Doch ihr herrlichstes Gewand ist: Würde Tugend ist's und edler frommer Sinn;