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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-07-01 · Heft 7 (1.7.1889) · p. Seite 148

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 7 (1.7.1889)
Date
1889-07-01
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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148 Sie zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Litteraturgeschichte der Menschheit von der Zeit, da die biblischen Bücher geschrieben wurden, bis in unsere Tage. Die Litteraturen anderer bedeutender Kulturvölker haben zwei goldene Zeitalter; die jüdische Litteraturgeschichte hat deren mehr: das biblische, das talmudische, das griechisch-alexandrinische, das spanische, das deutsche unserer Tage. II. Der griechische Schriftschatz begrüßt im Homer, der deutsche in den Nibelungen seine Morgenröte: die jüdische Litteraturgeschichte hat ihren Grundstein in den biblischen Schriften, einen Grund- und Eckstein, von dem auch der Psalmenvers gilt: der Stein, den die Bauleute verachteten, er ist zum Eckstein geworden. Denn was imnier auch Unkenntnis und Unverständnis an den Schriften des alten Testaments auszusetzen hat — und wie Wenige kennen sie, wie Wenige selbst von den Juden und von christlichen Theologen, sind mit ihnen eingehend vertraut! — wie sehr sie in der allgemeinen Auffassung der Menschen durch die oft sinnwidrige und tendentiöse Uebersetzung der katholischen Vaticana und der lutherischen Bibel leiden, — man darf mit Herder und Auerbach getrost sagen, daß die Bibel des alten Testaments wirklich das Buch der Bücher ist, das Buch aus dem die gesittete Welt ihre Bildung heute noch schöpft, das Buch, dessen Sittenlehren heute noch der Urquell sind, aus dein, oft unbewußt, vielfach ohne Danksage, Alles sich erquickt. Oft unbewußt, denn z. B. die Menschenliebe, gegründet auf den altbiblischen Satz weahafta lereeclia kamocha — liebe deinen Nebenmenschen wie dich selbst, wird den meisten unsrer Zeitgenossen als eine neu testamentliche Vorschrift gepredigt. Alle die schönen Sittenlehren der Evangelien sind altbiblischen Ursprungs, das Vater-Unser, dies volkstümlichste Gebet, ist Wort für Wort jüdischen Quellen entnommen, noch heute in unfern Gebetbücher» an dieser und an jener Stelle zu finden. Die grundlegende Bedeutung der Bibel für die Poesie, für die Malerei aller Völker und Zeiten — wem könnte sie entgehen? Aber auch für das Christentuni, das im Laufe der Zeiten den Juden in schroffster Weise entgegentrat, ist deren ältestes Schrifttum ein wertvoller Schatz verblieben. Denn die uralten Psalmenverse und Prophetenworte erklingen noch heute mit gleicher Eindringlichkeit in den Synagogen, wie in den Kirchen. Die herrlichsten Kirchenlieder, wie „Ein feste Burg ist unser Gott" und „Nun danket Alle Gott" — sind altjüdischen Quellen entnommen, jenes den Psalmen, dieses dem Buch Sirach. Denn dort steht: Nu» preiset Alle Gott, der überall Gutes thut, Der da beglückt unsere Tage von Mutterschotz an, Und an uns thut nach seiner Barmherzigkeit. Er gebe uns ein fröhlich Herz Und daß Friede sei in Israel, in unsren Tagen, Wie in den Tagen der Urzeit, Daß er bewähre an uns seine Barmherzigkeit Und uns erlöse zu seiner Zeit. Wie man auch die altbiblischen Bücher auffasse — sei es vom religiösen,

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