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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-06-01 · Heft 6 (1.6.1889) · p. Seite 139

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 6 (1.6.1889)
Date
1889-06-01
Page
Seite 139 (sequence 19)
Language
German
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139 uns zugegangen: Gedächtnißrede auf Se. K. u. K. Hoheit den durchlauchtigsten' Kronprinzen Erzherzog Rudolf gesprochen im Kultustempel der israel. Gemeinde Sonyhad am 6. Februar 1889 von Oberrabbiner Di'. f. L Keich. In schwungvollen tiefempfundenen Worten gab der Redner, anknüpfend an Jer. 6, 26, der allgemein weithin tönenden Klage beredten Ausdruck. — In der österreich-ungarischen Armee dienen 32382 jüdische Soldaten; davon bei der Infanterie 21775, Jäger 886, Kavallerie 1808, Feldartillerie 2004, Festungsartillerie 663, Technische Truppe 79, Jngenieuramt 186, Genietruppe 80, Eisenbahnregiment 130, Sanitätstruppe 2672, Train 1295, Bildungsanstalten 48, Monturverwaltung 62, Verpflegungstruppe 694. — An der Universität in Wien hat sich ein neuer Studenten-Verein gegründet, welcher seine Tendenz gegen den Antisemitismus kehrt und in welchem Studenten ohne Unterschied der Konfession und Nationaliät freundliche Aufnahme finden. Derselbe wird berufen sein in der Geschichte der Wiener Studentenschaft einen Wendepunkt zum Bessern zu bezeichnen. — Die „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" in Wien, die es sich nach dem 8 1 der Statuten unter Anderem zur Aufgabe gestellt hat: „die über das Judentum verbreiteten Jrrtümer und Vorurteile aufzuklären und zu beseitigen, endlich die auf Verschärfung der konfessionellen und Rassengegensätze gerichteten Bestrebungen zu bekämpfen" erließ einen Aufruf, um zum Beitritt zu veranlassen. — In Preßbnrg, Kremsrer und in der Hafenstadt Kolo in Griechenland hat das abgebrauchte Blutmärchen um die Osterzeit herhalten müssen, um den antisemitischen Pöbel in Aufregung zu bringen. — Herr Pfarrer Eichhorn aus Florisdorf hat, wie sich bei dem von ihm angestrengten Prozeß gegen den Exprofessor Herrn Kiedl herausstellte, die durch Zeugen bekräftigte Aeußerung gethan „Wenn Jemand zu mir kommt und beichtet, daß er einen Juden bestohlen habe, so gebe ich ihm die Absolution, weil dies nur eine Schadloshaltung ist für das, was die Juden früher selbst gestohlen haben." Ein schöner Beichtvater das! — Am 15. April erschien eine Deputation der israel. Knltusgenieinde in Wien unter Führung des Herren Präsidenten Arminia Eohn bei dem Minister Herrn Grafen Ha affe und überreichte ihm eine Denkschrift „Ausschreitungen der Antisemiten" mit der Bitte, derselben Würdigung und Berücksichtigung zu Teil werden zu lassen. Der Inhalt der Denkschrift war merkwürdigerweise bald durch das „Vaterland" bekannt geworden, obzwar dieselbe nur vertraulich überreicht wurde. — Am 19. April erschien in Krag beim Statthalter Kraus eine Deputation des Zentralvereins zur Pflege jüdischer Angelegenheiten mit einer Denkschrift über die Ausschreitungendes Antisemitismus, speziell in Nordböhmen. Der Statthalter wies die Deputation an den dort weilenden Grafen Taaffe. Als ein Erfolg dieser Deputationen ist die Rede des Grafen Taaffe im Abgeordnetenhaus zu verzeichnen, in der es heißt: Die Regierung halte an der Gleichberechtigung aller Staatsbürger fest und sei sich gegenüber den Ausschreitungen der Antisemiten ihrer wichtigsten Aufgabe, die Hüterin des Gesetzes zu sein, vollkommen bewußt; auch künftig werde eine strenge Handhabung des Gesetzes die oberste Maxime der Regierung bleiben. Die Regierung werde den Ausschreitungen der antisemitischenPresse mit Strenge entgegentreten.—Zahlreiche jüdische Getreidehändler wollen in Folge der antisemitischen Strömung in Wien an dem Saatenmarkte daselbst sich nicht beteiligen. Herr Ministerpräsident Graf Taaffe bemühte sich bei dem Bürgermeister Uhl für den Fortbestand des Marktes. — Am 30. März bei Gelegenheit der Debatte über den Lichtenstein'schen Schulantrag im österreichischen Abgeordnetenhause sagte Prof. Süß: Mein Weg führte mich über die Aspernbrücke. Links neben der Aspernbrücke, im Schnee, stand ein schmutziges, häßlich 12*

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