Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1889)
- Date
- 1889-06-01
- Page
- Seite 138 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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138 ergreifenden Nachruf. Namens des Vereins der Kinderfreunde in Wien sprach Herr vr. Eeleky. — In Wien starb Herr Sigmund Scharf, der Erfinder und Erzeuger der berühmten „Scharf'scheu Diamanten", im Alter von 46 Jahren.— In Prag fand am 10. April unter großer Beteiligung das Leichenbegängnis des Seniors der israelitischen Beerdigungs-Bruderschaft und Vorstandsmitgliedes vieler.humanitärer und wissenschaftlicher Vereine, Herrn Koppelmann Plohry statt. Herr Oberrabbiner Hirsch widmete ihm Worte ehrenden Nachrufes. — In Lemberg starb der Gemeinde- und Kultusrat Herr Emanuel Gall. Mit rührender Sorgfalt nahm er sich eines armen verwaisten Blinden an, der ihm stets Liebe und Treue bewahren wird. — Aus Iägerndorf schreibt man uns: Herr Michael Kulka, Ingenieur, wurde zum Gewerbeinspektor für Wien ernannt. Es ist dies ein sehr bedeutender Beamter, der einen großen Vertrauensposten als Jude einnimmt. — Am 25. März fand in Krünn die Generalversammlung der Delegierten zur Verwaltung des mährisch-jüdischen Landes-Massafonds unter Vorsitz des Herrn Julius Kitter von Gompert; statt. 49 von 55 Gemeinden waren vertreten. — Die Vorsteher der israelitischen Gemeinde Domoni waren angeklagt, ihren Rabbiner Herrn I. K. Kohut, der ein halbes Jahrhundert in der Gemeinde sein Amt versieht, am Neujahrs- und Versöhnungstage des Jahres 1887 an der Ausübung seiner Funktionen iin Gottesdienst gehindert und insultiert zu haben. Hauptangeklagter war Herr Vorsteher Ludwig Kohn, noch nicht 30 Jahre alt, der dem greisen ehrwürdigen Kläger, dem Rabbiner mit schneeweißem Haar und Barte, gegenüberstand. Die Verhandlungen fanden in Budapest am 5. und 8. April statt und endigten mit Freisprechung auf Grund eingeholter Gutachten von Sachverständigen. Herr Prediger vr. Samuel Kohn hat in seinem Gutachten allerdings verschwiege», welche Achtung man dem Rabbiner schuldet, der auch „Mara di athra“ (Herr der Gemeinde) ist." — Aus Ungarn teilt uns Herr I. Löbl mit: Am 9. April wurde in Kolics die neuerbaute Synagoge eingeweiht. Herr Oberrabbiner Hermann Pollack hielt eine schwungvolle Rede, die auf sämmtliche Anwesende einen tiefen Eindruck niachte. Zur Feierlichkeit waren die Spitzen der politischen Behörde, der gesammte Beamtenkörper der k. k. Familiengüter, die kath. und evang. Seelsorger, ferner Herr Baurat Stiaßny aus Wien erschienen. — Im Nationaltheater in Kudaprst gelangte „Gemischte Ehen" von Hofrat Ludwig Do;y zur ersten Aufführung und erzielte stürmischen Erfolg. Das ganze Stück zeigt, wie groß die Kluft zwischen der christlichen und jüdischen Gesellschaft sei und daß auch ein getaufter Jude keine Gnade in den Augen der Christen finde. Die Hauptpersonen sind Laios Turdoni, ein in Geldbedrängnis sich befindender christlicher Grundbesitzer mtb Frl. Malwine Rosenberg, ein junges schönes und reiches Mädchen, das mit ihren Eltern zum Christentuin Übertritt, um Turdoni heiraten zu können, dann aber die Abneigung, die man gegen sie und ihren Stamm empfindet, hart fühlen muß. — Herr Iarob Keiß, früher in St. Pölten, wurde als Rabbiner nach Kuttenplan berufen. In St. Pölten wurde Herr Dr. Zimels zum Rabbiner gewählt. - Es ist uns zugegangen: Rechenschaftsbericht des Wohlthätigkeits- und Beerdigungs-Vereins „Chevra Kadischa" in Graz. Der Bericht dehnt sich über die ganze Zeitdauer des Vereinsbestandes aus, der am 9. April 1871 ins Leben gerufen wurde und hebt die wichtigsten Daten, die die Entwicklung des Vereins darstellen, hervor, aus welchen zu ersehen ist, wie derselbe nach drei Richtungen, für Wohlthätigkeit, Krankenpflege und Totenbestattung, seine segensreiche Thätigkeit entfaltet. Die Bilanz erweist einen Vermögensstand von 11709.09 fl. ö. W. — Es ist