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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-06-01 · Heft 6 (1.6.1889) · p. Seite 126

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 6 (1.6.1889)
Date
1889-06-01
Page
Seite 126 (sequence 6)
Language
German
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— 126 .... , wenn nur die gefällige Außenseite da ist, die das Auge besticht. Was wird nicht alles von Freundschaft und Nächstenliebe geredet! und doch hat es keine Zeit gegeben, in der man, während man auf den Lippen die freundlichsten Worte hat, nur Bosheit und Arglist im Herzen trägt. Der dein Freund und Gönner ist, der ist nicht selten anderen gegeniiber ein Verleumder, der dein Vertrauen mißbraucht, um dir zu schaden. Wer aus dem Judentume eine Religion der Falschheit und der leeren Redensart machen will, der begreift nicht, daß er damit schließlich nur eine Zerrgestalt desselben sich geschaffen hat. Als Moses den Israeliten erklärte, daß die Lehren, die bei Sinai ihnen verkündet werden sollen, nicht blos auf steinernen Tafeln einzugraben seien, daß sie vielmehr nur in steter und voller Verwirklichung ihren Bestand finden können, da war jeder Halbheit und Geteiltheit ein Ende gemacht, da war nicht mit der Heuchelei gegen die Wahrheit aufzukommen, da sollte man nicht nur durch das Beispiel des anderen sich angeregt sehen, sondern das Herz mußte mit einstimmen in das Gelöbnis der Lippen und es mußte der volle Entschluß zu edler ehrlicher That in ihrer Mitte sich kundgeben. Wenn wir den Tag der Gesetzgebung vom Sinai feiern, so denken wir da nicht blos an die Lehren, die in ihr verkündet werden, sondern mehr noch an die Thaten, in denen ihre segensvolle Kraft sich bewähren sollte. Nicht mit vielen Worten und langen Reden werden wir die Ehre des Judentums, die so vielen Angriffen ausgesetzt ist, zu schützen vermögen, sondern nur dadurch, daß wir seinen Geist in unserer Mitte wirksam sein lassen und vor aller Menschheit Zeugnis geben, daß wahrer Gottessinn in unserer Mitte lebt, der in lichten Geistesthaten und in Werken echter Menschenliebe sich bethätigt. Anstatt das Judentum zu trüben, zu fälschen, zu schänden, wie man gegenwärtig sich darin so geschäftig zeigt, sollten wir es vielmehr in seiner Wahrheit und Erhabenheit hervortreten lassen, es durch Entfaltung regen Geisteslebens und lauterer Gesinnungen zu erheben und zu verherrlichen suchen. Das wird uns Ehre bringen in den Augen der Völker, das wird uns Anerkennung verschaffen inmitten der Menschheit, und geachtet wird Israel in aller Zukunft dastehen; das Licht seiner Lehre wird immer weiter hinausstrahlen, bis der ganze Erdkreis von ihm erhellt wird und die Erde voll ist von wahrer Gotteserkenntnis, von echter Tugend und Gerechtigkeit. Grnst Hlvnan und der jüdische Ootlesöegriff. Ronan kommt in seinem zweiten Bande der israel. Geschichte zu einer abweichenden und darum falschen Darlegung des jüdischen Gottesbegriffes. Er schreibt die israelitische Geschichte nicht um ihrer selbst, sondern um der Geschichte des Christenthums willen. Nach gewöhnlicher Phraseologie ist ihm Judentum Vorstufe und Christentum höhere Vollendung; jenes ist darum ein überwundener Standpunkt, eine abgethane Thatsache. Und doch erklärt Ronan das Christenthum noch nicht als die höchste Stufe in der Entwickelung der Kultur- und Menschengeschichte, sondern uns als eine relativ höhere; die absolut höchste ist ihm die Verneinung Gottes nach dem Standpunkte des frei-religiösen Bewußtseins. Nicht die Verneinung eines Urwesens, welches die Welt geschaffen und eingerichtet hat; man nenne es Gott, Substanz, Wille Unbewußtes, aber wohl die Verneinung eines Wesens, welches in die Geschichte der Menschheit oder in

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